Arztkommunikation verständlich gemacht

Dass Ärzte unleserliche Rezepte schreiben, ist bekannt und nicht weiter schlimm. Lesen können muss das ja vor allem das Apothekenpersonal und bei diesen Fachleuten scheint sich mit der Zeit die Fähigkeit zu entwickeln, noch aus den wildesten Schnörkeln sinnvolle Informationen herauszufiltern.

Anders sieht es bei ärztlichen Diagnosen aus, die zwar per Computer geschrieben deutlich lesbar, dafür inhaltlich umso unverständlicher sind – für Laien, also die meisten Patienten.

Klarheit und Verständlichkeit auf diesem speziellen Gebiet verspricht jetzt die Medizin-Studentin Anja Kersten aus Dresden. Auf ihrer Website »Was hab’ ich?« veröffentlich sie »Übersetzungen« von ärztlichen Befunden in verständliches Deutsch.

Ganz offensichtlich handelt es sich dabei um einen Dienst, auf den die Welt gewartet hat, denn wenn man die Website ansehen will, erhält man meist den Hinweis: »Zur Zeit ausgelastet — Wartezimmer aktiv«. Man kann sich in eine Warteliste eintragen und darf, sobald man an der Reihe ist, seinen Befund einsenden. Fast wie im richtigen Leben.

Die verständlichen Erläuterungen zu den eingesandten kryptischen Originalen sind es offenbar wert, ein wenig zu warten. Einige Beispiel kursieren bereits im Internet:

Aus dem Original

»Zartes Discbulging L4/5 und L5/S1 ohne Nachweis eines höhergradigen Prolaps«

wird in der verständlichen Version

»Man sieht zwischen dem 4. Lendenwirbelkörper und dem Kreuzbein (L4/5 und L5/S1) ein leichtes Vorwölben der Bandscheibe (Discusbulging). Es kann hier kein schwerer Bandscheibenvorfall (höhergradiger Prolaps) nachgewiesen werden.«

In einem anderen Beispiel wird aus

»Die mediale Supraspinatussehne ist bursaseitig auf einer Länge von gut 16 mm partiell rupturiert«

die sprachlich klare Version

»Die mittige Sehne des oberhalb des Schulterblattes gelegenen Muskels (mediale Supraspinatussehne) ist auf der Seite des Schleimbeutels (bursaseitig) auf einer Länge von gut 16 mm teilweise gerissen (partiell rupturiert).«

Vielleicht sollten wir einen Dienst ins Leben rufen, der unverständliche Bedienungsanleitungen in verständliche übersetzt. Ach was, lieber schreiben wir von vornherein verständlich und klar.

 

 

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KSK-Beiträge auch für Technische Redakteure

Technische Redakteure sind Künstler? Nun ja, zuweilen ist es durchaus eine »Kunst«, aus wenigen und unklaren Informationen mühsam eine für den Anwender verständliche Bedienungsanleitung zu entwickeln. Wie schon Karl Valentin treffend bemerkte: »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.« So gesehen ist Technische Dokumentation hin und wieder tatsächlich eine Kunst.

Bei der Künstlersozialkasse (KSK), auch Künstlersozialversicherung genannt, haben die Begriffe »Kunst« und »Künstler« jedoch noch eine ganz andere Bedeutung. Künstler sind dort Personen, die Anspruch auf gesetzliche Renten-, Kranken- und soziale Pflegeversicherung nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) haben. Nach dem KSVG versicherte Personen entrichten einen vergleichsweise geringen Beitrag, der durch die KSK aufgestockt und dann an die zuständigen Träger (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) weitergeleitet wird. Für bildende und darstellende Künstler, die bekanntermaßen eher zu den Geringverdienern gehören, eine gute und sinnvolle Einrichtung.

Eine ganz anderer Aspekt ist die Finanzierung dieses Systems. Die erfolgt nämlich nicht ausschließlich durch die Beiträge, sondern zusätzlich durch die sogenannte Künstlersozialabgabe. Die Künstlersozialabgabe ist von allen zu zahlen, die künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen in Auftrag geben und verwerten. Bemessungsgrundlage der Künstlersozialabgabe sind alle in einem Kalenderjahr an selbständige Künstler und Publizisten gezahlten Entgelte (§ 25 KSVG). Die jeweiligen Abgabesätze werden jährlich neu festgelegt; für das Jahr 2011 beträgt der Abgabesatz 3,9 %.

Und nun schließt sich der Kreis. Im von der KSK erstellten »Künstlerkatalog« findet sich tatsächlich der Technische Redakteur. Auch der Illustrator ist dort aufgelistet und sogar der Lektor. Wenn es um das Anbohren von zusätzlichen Geldquellen geht, scheint die KSK mit ihrer Definition von Kunst nicht zimperlich umzugehen. Um das deutlich zu machen, weist sie darauf auch explizit im Vorwort des ominösen Künstlerkatalogs hin: »Von jeder Abgrenzung nach der Qualität der künstlerischen und publizistischen Tätigkeit ist abgesehen worden [...]«. Man kann sicher mit guten Argumenten gegen diesen nahezu allumfassenden Kunstbegriff streiten, aber im Augenblich ist er Fakt und gesetzliche Grundlage für die Künstlersozialabgabe.

Wer auch immer freie Technische Redakteure (GmbHs als Auftragnehmer sind nicht betroffen von dieser Regelung) beauftragt und bezahlt, muss demzufolge ein zusätzliche Abgabe in Höhe von derzeit 3,9 % des Auftragswertes an die KSK zahlen. Diese Abgabe wird nicht von den »Künstlern« in Rechnung gestellt, sondern muss auf Basis eines Meldeverfahrens von den Auftraggebern selbsttätig ermittelt und abgeführt werden. Für den Fall der Nichtbeachtung dieser gesetzlichen Vorschrift drohen übrigens empfindliche Strafen.

Noch ein Aspekt zum Nachdenken: »Es spielt für die Abgabepflicht keine Rolle, ob der Künstler oder Publizist in der Künstlersozialversicherung versichert ist oder nicht, z. B. weil er im Hauptberuf Beamter oder gesetzlich sozialversicherter Arbeitnehmer ist oder die künstlerische bzw. publizistische Tätigkeit nicht erwerbsmäßig ausübt.«

 

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Risikobeurteilung – Gefahrenanalyse – Maschinenrichtlinie

Verwirrung der Begriffe

Während die Begriffsverwirrung zwischen »Betriebsanleitung«, »Betriebsanweisung«, »Gebrauchsanweisung« und »Gebrauchsanleitung« offenbar abnimmt (siehe auch Betriebsanleitung vs. Betriebsanweisung), hört man im täglichen Gespräch mit Maschinenbauern immer noch ein wildes Durcheinander der Begriffe »Gefahrenanalyse», »Gefährdungsbeurteilung«, »Risikoanalyse«, »Risikobeurteilung«, »Risikobewertung« und verschiedener anderer Varianten und Zusammensetzungen mit »Risiko« und »Gefahr«, die hier nicht auch noch verbreitet werden sollen.

Darum in aller Kürze noch einmal zur Klärung:

Die Risikobeurteilung ist gemäß EU-Richtlinie 2006/42 (Maschinenrichtlinie) obligatorisch, um für eine Maschine eine Konformitätserklärung nach dieser Richtlinie abgeben zu können. Die Konformitätserklärung ist Voraussetzung für das Anbringen des CE-Kennzeichens. Dieses ist wiederum Voraussetzung für das Inverkehrbringen einer Maschine in den europäischen Wirtschaftsraum. Wörtlich heißt es in der Richtlinie: »Der Hersteller einer Maschine oder sein Bevollmächtigter hat dafür zu sorgen, dass eine Risikobeurteilung vorgenommen wird, um die für die Maschine geltenden Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen zu ermitteln. Die Maschine muss dann unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Risikobeurteilung konstruiert und gebaut werden.«

In früheren Ausgaben der Maschinenrichtlinie hieß die heutige Risikobeurteilung Gefahrenanalyse, daher rührt ein Teil der Verwirrung.

Die Gefährdungsbeurteilung hingegen ist das zentrale Element im betrieblichen Arbeitsschutz. Sie ist die Grundlage für ein innerbetriebliches systematisches Sicherheits- und Gesundheitsmanagement (siehe Portal Gefährdungsbeurteilung der BAuA).

Die Risikobeurteilung und die Technische Dokumentation

Die Risikobeurteilung ist eindeutig eine Aufgabe des Herstellers, der Konstruktion. Chefsache sozusagen. Keinesfalls kann ein Technischer Redakteur so etwas leisten, da ist sich die Fachwelt einig. Warum, das wird deutlich, wenn man sich den Prozess vor Augen führt.

Die Riskobeurteilung beginnt schon mit dem ersten Gedanken an eine neue Maschine, schon mit der Idee. Sie ist ein Prozess, der eine Maschine durch ihr gesamtes Leben begleitet und erst mit dem »Tod« der Maschine ihr Ende findet. Schon bei der Entwicklung einer Maschine erkennen Konstrukteure Risiken für Menschen, Material und Umwelt. In der Regel werden sie diese Risiken intuitiv verringern oder aus der Welt schaffen, zum Beispiel durch Änderung oder Ergänzung der Konstruktion. Konstruktive Maßnahmen stehen auch nach den Forderungen der Maschinenrichtlinie an erster Stelle. Abzäunungen, Beseitigen von scharfen Kanten oder Not-Halt-Einrichtungen sind einige der üblichen Vorgehensweisen. Dennoch müssen diese Reaktionen auf erkannte Risiken, auch wenn sie »ohne besonderes Nachdenken« quasi automatisch erfolgen, in der Risikobeurteilung protokolliert werden. Ein Hersteller kann so im Zweifelsfall seinen bewussten Umgang mit dem Thema deutlich machen. Das gilt auch nach dem Inverkehrbringen einer Maschine. Die laufende Produktbeobachtung (im Übrigen ebenfalls eine gesetztliche Vorschrift) führt meist zum Erkennen weiterer Risiken. Das sind oft solche, die zuvor intuitiv ausgeschlossen wurden, beispielsweise weil »kein Mensch auf so eine Idee kommt«. Und in der Tat ist es so: Wenn man sich erst einmal bewusst mit einem Thema beschäftigt und nicht nur auf sein Können, seine Intuition und seine Erfahrung vertraut, dann sieht man plötzlich weitere Aspekte, die sonst eher unentdeckt bleiben.

Risikobeurteilung ist übrigens Teamwork. Je mehr Personen sich mit dem Thema beschäftigen und ihre Gedanken untereinander austauschen, umso besser wird das Ergebnis sein. Und an diesem Punkt kommt auch der Technische Redakteur wieder ins Spiel. Selbstverständlich können auch Technische Redakteure mit ihrer besonderen Sicht auf Abläufe, Funktionen und Bedienung einen wertvollen Beitrag zur Risikobeurteilung leisten. Darüber hinaus können sie den Prozess hervorragend begleiten. Wer gut dokumentieren kann, der kann auch gut Risikobeurteilungen dokumentieren und strukturieren. Nur die Verantwortung übernehmen, das können Redakteure in der Regel nicht. Denn sie sind keine Konstrukteure, ihr Spezialgebiet ist nicht die Entwicklung, und sie müssen auch keine Ingenieure sein. Sie müssen vor allem Informationen strukturieren und verständlich und unter Beachtung aller Gesetze und Vorschriften schreiben (oder zeichnen) können.

Diese, zugegeben sehr kurzen, Gedankenschnipsel sollen erst einmal genügen. Zurück zum Schreiben der Betriebsanleitung, also der eigentlichen Aufgabe für den Technischen Redakteur im Unternehmen oder den externen Dienstleister für Technische Dokumentation. Seine Pflicht ist es, die Ergebnisse der Risikobeurteilung jederzeit im Blick zu haben und in die Technischen Instruktionen, also Bedienungs-, Montage-, Wartungs- und sonstige Anleitungen einfließen zu lassen. Im Idealfall sind die für Instruktionen wichtigen Inhalte in der Risikobeurteilung schon besonders gekennzeichnet, zum Beispiel durch einen vorformulieten Warnhinweis, verbunden mit Angaben, an welcher Stelle dieser einzusetzen ist.

Fazit: Wer Betriebsanleitungen schreibt, ist auf sie angewiesen, kann sie aber nicht selbst erstellen – die Risikobeurteilung.

 

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Technische Dokumentation mobil und online

Schon vor zwei Jahren haben wir hier angefangen, auf das Thema »mobile Technische Dokumentation« aufmerksam zu machen (MobileManual – Bedienungsanleitungen auf iPhone und Co und Mobile Manual – es tut sich was). Inzwischen hat es sich bis zum Fachverband für Technische Dokumentation herumgesprochen und der Kollege Dietrich Juhl hat in der Zeitschrift »Technische Kommunikation« einen ausführlichen und lesenswerten Artikel dazu veröffentlicht: »Die Anleitung kommt aufs Tablet«.

In seinem Beitrag erläutert Juhl die Begriffe elektronisch, online und mobil, und zeigt Optionen und Potenziale für die Technische Dokumentation auf. Interessant sind Interaktions- und Integrationsmöglichkeiten durch Funktionen, wie sie insbesondere Smartphones oder mit dem Mobilfunktnetz verbundene Tablet-PCs bieten. Zu rechtlichen Fragestellungen verweist der Artikel auf eine Publikation von J.-U. Heuer: »Auswirkungen von neuen Medientechniken und -gewohnheiten auf Gesetzgebung und Rechtspflege«.

Fazit: Nicht nur Hersteller, sondern auch Dienstleister für Technische Dokumentation sollten sich spätestens jetzt schlau machen, wann und wie Bedienungsanleitungen und andere Instruktionen für mobile Endgeräte eingesetzt werden können. Es gibt viel zu tun.

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Die Zukunft der Telemedizin

Innerhalb der letzten Jahre ist die Telemedizin rapide gewachsen und mit neuen Technologien gewinnt diese Form der Medizin immer mehr an Bedeutung.

Telemedizin wird schon seit der Erfindung des Telefons praktiziert, nur sehen das die wenigsten als Telemedizin an. Genau genommen steckt dies jedoch schon in dem Wort “Tele” selbst. Es ist an sich also keine neuartige Form der Medizin. Aufgrund der fortschreitenden Technologie ist der Weg, den Telemedizin beschreitet, und die Möglichkeiten, die es eröffnet immens.

Also was ist diese neue Form der eigentlichen Medizin und der Telemedizin im Speziellen? Video und Audio sind die beiden Technologien, die die Medizin revolutionieren. Diese in Kombination miteinander ermöglichen im Prinzip grenzenlose Anwendung. Ob dies nun zur Neugeborenenkontrolle, psychiatrischen Behandlung oder Operationen verwendet wird, spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass es zu beinahe allen Situation seinen Beitrag leisten kann, es kommt also nur auf die Situation der Patienten an.

Es ist schon erstaunlich, dass Technologie selbst vor Medizin, oder vielleicht gerade vor Medizin, keinen Halt macht. Diese Entwicklung der Telemedizin ist ausgesprochen positiv und kann dazu beitragen, dass viele weitere Leben gerettet werden können, gerade die Fälle, die so einfach zu retten wären, wenn doch nur medizinische Hilfe verfügbar wäre.

Eine weitere Anwendung der Telemedizin ist mittlerweile auch das Verabreichen von Medikamenten. Durch spezielle Computersysteme ist es Ärzten möglich, Medikamente per Fernsteuerung zu verabreichen, die Dosierungen zu verändern und an die jeweilige Situation des Patienten anzupassen.

Alles in allem, die neuen Anwendungsbereiche der Telemedizin ermöglichen einen effizienteren Umgang mit Patienten und versichern so, dass jeder Patient wirklich die Behandlung und Aufmerksamkeit bekommt, die er benötigt. Dies ist möglich, da die Schwester nun mehrere Patienten gleichzeitig betreuen kann, vor allem Patienten mit chronischen Erkrankungen, und so dem Arzt mehr Zeit verschafft, um sich um zeitintensivere Fälle zu kümmern. Die Zukunft sieht also vielversprechend aus, sowohl für Patienten als auch für Ärzte und Schwestern.

Autor dieses Gastbeitrags ist Adrien Hoepner.

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