ePUB für die Technische Dokumentation?

ePUB liegt im Trend

Der offene E-Book-Standard ePUB liegt im Trend, keine Frage. Im Augenblick wird vor allem in der Verlagsbranche viel ausprobiert, um festzustellen, ob mit E-Books im Allgemeinen und mit dem Format ePUB im Besonderen Geschäfte zu machen sind. Ein ganz anderes – weil nicht auf direkten Profit ausgerichtetes – Feld ist der Einsatz von ePUB im Rahmen der Technischen Dokumentation. Kern der Überlegungen ist die Frage: Kann ePUB die Bedienungsanleitung auf Papier ersetzen? Im Augenblick ist eine sichere Antwort nicht möglich, allenfalls Hypothesen lassen sich aufstellen. Um sich einer möglichen Antwort zu nähern, muss man verschiedene Faktoren berücksichtigen.

PDF vs. ePUB

Bereits PDF-Dateien sind im Grunde E-Books. Es geht bei der Bewertung des Formats ePUB also nicht nur um den Gegensatz Print – Bildschirm, sondern auch um einen Vergleich bisheriger E-Book-Techniken mit einer neuen. PDF ist etabliert und funktioniert. Es funktioniert auf stationären Computern, im Web, auf Handys. Die Usability ist im Wesentlichen durch die Bildschirmgröße eingeschränkt. In diesem Punkt kann aber auch ePUB keinen Ausweg bieten. Wozu also ein weiteres Format?

Ebenso wie PDF soll ePUB ab der Version 3.0 die Einbindung von Mediendaten und Interaktivität ermöglichen, also Video, Audio, Skripting (JavaScript), Formeln, Text-to-speech. Damit wäre dann auf der technischen Seite fast Gleichstand erreicht. Als Pluspunkt kann ePUB die im Vergleich zu vollwertigen Computern preiswerten E-Book-Reader verbuchen. Auf der anderen Seite: Braucht man für den »Rest« nicht dennoch einen Computer, wozu dann ein zweites Gerät?

E-Book vs. gedrucktes Dokument

Zu diesem Thema ist im Internet eine Vielzahl von Diskussionen und Gegenüberstellungen zu finden. Die meisten Überlegungen lassen sich mit Varianzen auch auf den Bereich der Technischen Dokumentation anwenden. Da werden schier endlose Datenspeicher gegen Papierberge ins Feld geführt. Dem gegenüber steht die durch praktische Handhabung eines gedruckten Dokuments: kein Strom erforderlich, kein Lesegerät, sofort und ohne Umstände nutzbar, keine Zusatzkosten für den Leser, keine technischen Hemmnisse und Kompatibilitätsprobleme. Nicht zuletzt: Richtlinien und Gesetze schreiben die Beigabe von gedruckten Informationen, die ohne Umstände verfügbar und nutzbar sind, vor. Das trifft nicht nur aus die berüchtigte Maschinenrichtlinie zu.

Tools für ePUB

Es gibt einige Programm und Tools für das Erstellen von ePUB-Daten. Es zeichnet sich aber schon ab, dass die einschlägigen Hersteller von Publikations- und Layout-Software, allen voran Adobe, in ihre Standardprogramme alle Funktionen für die Erstellung valider ePUB-Dateien integrieren. Bei InDesign 5 war es schon in Ansätzen enthalten, in der Version 5.5 soll es die ePUB-Ausgabe auf Knopfdruck geben. FrameMaker wird folgen und auch Microsoft wird sich irgendwie dranhängen.

Die Frage nach Ziel und Nutzen

Letztlich muss die Frage nach dem Einsatz von E-Books (Unterfragestellung: ePUB oder PDF) oder gedruckter Literatur immer am Nutzen für die Zielgruppe ausgerichtet sein. Wer braucht wann und in welchem Umfeld welche Information? Vermutlich wird es die All-in-one-Lösung nicht geben. Möglicherweise sind Hersteller bezüglich der Technischen Dokumentation noch auf Jahre hinaus zum Nebeneinander der Medien verdammt. Marketinggründe sprechen für einen Einsatz von moderner Technik, mobiler Verfügbarkeit, Unterhaltung und Komfort durch grenzenlose Verknüpfung. Aber lohnt es sich, die Kosten in diesem Bereich zu erhöhen? Denn eines ist klar: Ein gutes E-Book wird nicht als Abfallprodukt eines für den Druck optimierten Dokuments zu haben sein. Man muss schon mit Hirnschmalz an die Sache herangehen.

Querverweise und Quellen

Zur weiteren – und vor allem tieferen – Auseinandersetzung mit dem Thema seien die folgenden Quellen empfohlen:

ePUB-Spezifikationen: http://old.idpf.org/specs.htm

International Digital Publishing Forum: http://www.idpf.org

Calibre E-Book-Management (Software): http://calibre-ebook.com/

ePUB-Reader (Firefox Add-On): http://www.epubread.com/de/

ePUB-Reader (Firefox Add-On): https://addons.mozilla.org/en-US/firefox/addon/epubreader/

Tool zur Validierung von ePUB-Dokumenten: http://threepress.org/document/epub-validate

ePUB-Checker der pagina GmbH: http://www.pagina-online.de/software/epub-checker/

E-Book-Produktion mit InDesign (Blog-Artikel): http://www.sachaheck.net/blog/indesign/indesign-ebook-leitfaden

ePUB Format Construction Guide: http://www.hxa.name/articles/content/epub-guide_hxa7241_2007.html

SIGIL, ein E-Book-Editor: http://code.google.com/p/sigil/

iPhone-Simulator: http://www.testiphone.com/

Und natürlich der E-Book-Artikel bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/E-Book

Weitere Links und Hinweise, soweit sie nicht kommerzieller Natur sind, sind hier stets willkommen und werden ergänzt.

 

 

 

 

 

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Leitfaden zur Maschinenrichtlinie auf Deutsch

Seit Kurzem ist eine deutschsprachige Fassung des Leitfadens zur Maschinenrichtlinie verfügbar. Es handelt sich um eine Übersetzung des englischsprachigen Originals bis einschließlich § 156 »Adressaten und Unterzeichner der Richtlinie« (»Addressees and signatories of the Directive«).

Zur Verfügung gestellt wird diese deutsche Fassung auf der Website von Dipl. Ing. Hans-J. Ostermann. Hier ist der Link zur entsprechenden Rubrik.

In dieser Rubrik der Website werden noch weitere Interpretationspapiere zum Download angeboten, die die Meinung der jeweiligen Verfasser wiedergeben. Diese Papiere sind nicht rechtsverbindlich, können aber hilfreich bei der Auslegung verschiedener Rechtsvorschriften sein.

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Philosophen an die Maschinen!

Philosophen ran an die Maschinen! Unter der Überschrift »Technische Kommunikation auch für Geisteswissenschaftler« bewirbt die Universität der schönen Hansestadt Rostock ihren neuen Masterstudiengang. Dan Studiengang als »einzigartig« zu bezeichnen, ist vielleicht etwas übertrieben portionierte PR-Würze, aber man freut sich ja, wenn qualifierter Nachwuchs ausgebildet werden soll.

»Das Angebot«, so wird Mandy Andres vom Zentrum für Qualitätssicherung in Studium und Weiterbildung der Uni Rostock zitiert, »ist als berufsbegleitendes Fernstudium konzipiert und auf die speziellen Anforderungen und Bedürfnisse Berufstätiger zugeschnitten«. Richtig ist die Bewertung, dass im Bereich der Technischen Dokumentation und Kommunikation Germanisten, Journalisten, Soziologen, Kommunikationswissenschaftler, Theologen, Kulturwissenschaftler und Sprachwissenschaftler hoch im Kurs stehen. Nun ja, mit Einschränkungen richtig. Theologen sind eher selten anzutreffen, was sie jedoch keineswegs ausschließt. Und man muss ehrlicherweise sagen, dass sehr oft eine technische Zusatz-, Zweit- oder sogar Erstqualifikation gefordert ist. Offener als beispielsweise die Maschinenbaubranche sind in dieser Hinsicht oft Dienstleister, die als Agenturen für Technische Dokumentation im Auftrag unterschiedlicher Kunden aus der Industrie und Wirtschaft agieren.

»Der neue berufsbegleitende Masterstudiengang Technische Kommunikation (M.A.)«, so die Pressemitteilung weiter, »vermittelt nun neben Grundlagen wie Informationsgewinnung und Standardisierungsmethoden wissenschaftliche Inhalte mit einem hohen Transferpotenzial für die Praxis in den Bereichen juristische und normative Anforderungen an die technische Dokumentation, professionelle Textproduktion und Terminologie, Darstellung von Informationen, aber auch Kenntnisse im Projekt-, Qualitäts- und Wissensmanagement als Basis für die zukünftige Tätigkeit.« Hoffentlich vermittelt er auch, dass Sätze mit zunehmender Länge nicht verständlicher werden. Pressemitteilungen und Fachberichte gehören übrigens durchaus auch zu den Aufgaben Technischer Redakteure.

Bewerbungen für den fünfsemestrigen Masterstudiengang Technische Kommunikation werden noch bis zum 15. August 2011 entgegengenommen.

Weitere Informationen: http://www.weiterbildung.uni-rostock.de/techkomm.html

 

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Augmented Reality für die Technische Dokumentation?

Mit der zunehmenden Verbreitung von Smartphones, günstigen Datentarifen und verbesserten Funktionen zur Integration von Umgebungsdaten gerät ein neues Schlagwort in den Blickpunkt: »Augmented Reality«. Erweiterte Realität, so die deutsche Übersetzung, meint in diesem Zusammenhang die Ergänzung von Live-Bildern, Fotografien oder Videofilmen mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten durch Einblendung oder Überlagerung. So etwas kennt man aus Actionfilmen als Blick durch die Brille eines Kampfjetpiloten, bei dem Entfernungsdaten, Lageinformationen und Koordinaten über das Bild des Ziels gelegt werden. Ein anderes Beispiel sind bei Fußballübertragungen die eingeblendeten Bezugslinien, etwa zur Verdeutlichung von Abseitspositionen.

Die Technik scheint relativ reif zu sein und funktioniert. Für Spezialisten der Technischen Dokumentation stellt sich nun die Frage, ob Augmented Reality sinnvoll in der Technischen Dokumentation eingesetzt werden kann, in welchen Bereichen und zu welchen Zwecken. Weiter ist die Frage nach der Effizienz zu bewerten, nach dem Verhältnis von Einsatz (auch finanzieller Mittel) und Wirkung.

Um überhaupt erst einmal eine Vorstellung davon zu bekommen, wie weit Augmented Reality im Augenblick gehen kann (über das simple Einblenden von schlichten Grafiken hinaus), sollte man sich ein paar recht anschauliche Videos ansehen. Auch wenn es dabei meist eher um den Freizeit- und Unterhaltungsbereich geht, lassen sich auf dieser Basis durchaus Ideen für Anwendungen im Bereich der Technik-Kommunikation entwickeln. Hier sind ein paar ausgewählte Beispiele.

Präsentation von commoncraft:

Präsentation des Layar Reality-Browsers:

Beispiel für eine animierte Bedienungsanleitung:

Älteres Beispiel einer Reparaturanleitung:

Promo-Video Knapp AG:

Zugegeben, in den Beispielen sind die Anwendungen »Augmented Reality« und »Virtual Reality« nicht scharf voneinander getrennt.

Wenn jemand gute Beispiele aus dem Bereich der Technischen Dokumentation kennt, bitte hier kommentieren. Es gibt viel zu entdecken.

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Sascha Lobo scheitert am Gerät. Warum liest er nicht die Bedienungsanleitung?

Als Spiegel-Online-Kolumnist berichtet Sascha Lobo unter der Überschrift »Die Mensch-Maschine« regelmäßig von Begegnungen zwischen sich selbst (Mensch) und der mechanisch-elektrisch-digitalen Außenwelt (Maschine).

Unter anderem berichtet er von einem ganz besonders roten Faden, der sich durch sein Leben zieht: Das Scheitern am Gerät. Darin bejammert er den täglichen Kampf gegen Maschinen, Apparate und Geräte aller Art. Diese außermenschlichen Wesen haben sich gegen ihn, der nach eigenen Angaben »in der Lage« ist, »herauszufinden, wie Dinge schon mal nicht funktionieren«, offenbar verschworen. Die Einzelheiten seiner Reaktionen »von verzweifelter Resignation bis zur welthassenden Mischung aus Amoklauf und Ausdruckstanz« muss man hier nicht wiedergeben. Seine Anklage mündet in die – wohl provokativ gemeinte – Frage »Ist das Scheitern am Gerät gewollt?«.

Diese Frage können und wollen wir nicht beantworten, stellen im Gegenzug aber eine andere: »Warum, lieber Herr Lobo, werfen Sie nicht mal einen Blick in die Bedienungsanleitung?«. Was steckt hinter dieser Leseweigerung? Die typische Arroganz des Schreiberlings (Ich lese nur, was ich selbst geschrieben habe)? Das unumstößliche Überlegenheitsgefühl des Technik- und Internet-Freaks (Ich weiß ja wohl besser, wie das geht)? Spekulation darüber ist müßig. Und um es klar zu sagen: Wir halten Sascha Lobo keineswegs für arrogant oder selbstherrlich. Was die Frage an ihn noch interessanter macht.

Immerhin endet seine Kolumne mit den tröstenden Worten »Aber es gibt Schlimmeres, vermutlich.« Dem gibt es nichts hinzuzufügen, außer vielleicht:

Two hours of trial and error can save ten minutes of manual reading.

In diesem Sinn
schöne Grüße vom Rheinufer!

 

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