Für jeder Frau

Die Anzahl der Ratgeber in Buchform nimmt anscheinend immer noch zu. In Buchhandlungen muss man mittlerweile ziemliche Strecken zurücklegen, bis man zu den richtigen Büchern kommt. Nachdem die für alle Spezies gemeinsam geltenden Ratgeberthemen wohl nichts mehr hergeben, ist man inzwischen bei Ratgeber 2.0 angelangt. Da kann alles wieder von vorn anfangen, jetzt aber schön diversifiziert: Dösen für Manager, Dösen für Handwerker, Dösen für Kleinbetriebe, Dösen für Frauen, Dösen für Klarinettistinnen, Dösen für Blogger, Dösen für Mischlingshunde, Dösen für Doofe und so fort.

So ist es nur logisch und konsequent, dass auch dieser Titel den Weg in die Regale gefunden hat:

Ratgeber für Frauen

Dem charmanten Lächeln der Blondine mit der entzückend verwegenen Frisur kann man ja kaum widerstehen und muss zugreifen. Als aufgeklärter Bürger sucht man natürlich zuerst den Werbetext auf der Rückseite, um mehr zu erfahren, bevor man die 7,90 auf den Tisch legt. Und was muss man dort lesen?

»Das kennt wahrscheinlich jeder: Kaum ist die Besprechung, das Telefonat oder die Präsentation beendet, fällt uns [...]«

Jeder? Lieber Verlag, jetzt denk doch bitte nochmal genau nach, wo der Fehler stecken könnte.

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Mehr als 1000 Worte

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dies ist wohl das beliebteste Argument – oder besser gesagt, die beliebteste Floskel – wenn es darum geht, den Einsatz von Symbolen, Piktogrammen und Grafiken »zu verkaufen«.

Im Zusammenhang mit Bedienungsanleitungen, Handlungsanweisungen, Hinweisen oder allgemein Vorschriften geht es dabei vor allem um eines: Sparsamkeit. Nun ist Sparsamkeit beim Gebrauch von Worten sicher ein guter Rat. Besser, etwas gezielt und mit wenigen Worten sagen als mit viel sprachlichem Getöse drumherumreden.

Aber sagt ein Bild tatsächlich mehr als tausend Worte? Nein, tut es nicht. Jedenfalls nicht so, wie es sich einige Piktogramm-Freunde naiv vorstellen. Um diesen Gesichtspunkt gleich abzuschließen: Die Beschreibung eines vielschichtigen Gemäldes wie »Die Nachtwache« von Rembrandt (bzw. von seinen Schülern) ist sicher auch mit tausend Worten nicht annähernd vollständig. Hier stimmt der Satz. Meist wird er jedoch in anderen Zuhammenhängen gebraucht. Womit wir wieder bei der Sparsamkeit wären. Bilder (er)sparen Worte. Wo keine Worte sind, gibt es auch nichts zu übersetzen. Schon wieder gespart. Wo keine Worte sind, können auch Fremdsprachige nichts falsch verstehen – die Globalisierung kann kommen.

So einfach ist es leider nicht. Auch Bilder sind an einen kulturellen Kontext gebunden. Das Lesen von Bildern muss man lernen, Bilder sind nicht selbsterklärend. Und wie bei der Textsprache ist es so: Je größer der Bildschatz, desto einfacher ist es, neue Bilder zu verstehen und mit dem bisherigen Wissen zu verknüpfen. So bereitet uns das Lesen von Sportpiktogrammen bis auf wenige Ausnahmen inzwischen keine Schwierigkeit mehr. Neuere, individuelle Entwürfe allerdings schon. Dazu nur ein Beispiel:

Mehr als 1000 Worte?

Was sollen diese Piktogramme mitteilen? Pommes frites verboten – hier nur Currywurst? Keine leeren Bierflaschen auf den Boden legen? Was erkennt ein Nigerianer, wenn er das linke Bild sieht? Was denkt ein Holländer beim Wort »VOL« auf der Flasche? Und: Hat sich bei der Rheinbahn in Düsseldorf jemand diese Fragen gestellt?

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Signal kommt

Die Düsseldorfer Ampelanlagen geben mehr Rätsel auf als man vermuten würde (siehe auch Fußgänger bitte drücken).

 

Hier ist die Bedienungsanweisung mal klar und deutlich. Aber dann: Ein Hinweis leuchtet auf »Signal kommt«.

Was denn für ein Signal? Kommt? Woher? Ich will keine Signale, die kommen. Es soll einfach »Grün« werden. Hier leuchtet es erst einmal rot; das sieht schon etwas gefährlich aus. Wie eine Drohung. Ich komme mir ertappt vor, als hätte ich einen dummen Scherz gemacht und die Notruftaste in der U-Bahn gedrückt. Jetzt muss ich warten, bis das Aufsichtspersonal kommt. Aber welches Signal wird hier an der Ampel wohl kommen und woran werde ich es erkennen?

Na endlich, die Ampel zeigt grünes Licht und ich muss mir nicht weiter den Kopf zerbrechen.

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Duden-Rätsel

Der Duden mal wieder.

Mul|ti|me|dia, das; -[s] <meist o. Art.> [engl. multimedia]: das Zusammenwirken, die Anwendung von verschiedenen …

DAS Multimedia? Hier passt doch etwas nicht. Es gibt das Medium (und die Medien).  Aber woher kommt das Media? Wechselt das Medium sein Geschlecht von Neutrum auf Femininum, wenn es sich vermehrt?

Woher haben die das? Eine Suche bei Google ergibt keinen Treffer für das Multimedia. Stets ist das Multimedia nur erster Bestandteil eines zusammengesetzten Substantivs, zum Beispiel Multimedia-Projekt, – Jahr, -Labor, -Verzeichnis, -Handy, -Center und so weiter.

Wenn das so weitergeht, hilft nur noch die Flucht in das Multideliria.

Wir recherchieren weiter.

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Fußgänger bitte drücken

Fußgänger bitte drücken

Das ist mal ‘ne klare Anweisung. Ich hab’s natürlich gemacht. Das heißt versucht. Über die Reaktionen werde ich lieber schweigen. Irgendwas ist falsch gelaufen.

Vielleicht soll man nicht alle drücken? Oder nur zu bestimmten Zeiten? Gibt es einen Zusammenhang mit der Ampelanlage? Nur bei »Grün«? Es muss einen Zusammenhang geben. Schließlich hängen die Schilder an allen acht Ampelmasten dieser Kreuzung. Auf Nachfrage bestätigte die zuständige Behörde, dass es sich wie vermutet um eine Bedarfsanlage handelt. Immerhin scheint man sich in der Stadt Düsseldorf bewusst zu sein, dass der Bedarf an Zuwendung und Herzlichkeit in der heutigen Zeit stark zugenommen hat. Das zeigt sich an den doch recht vielen Stellen in der ganzen Stadt, an denen zum Herzen, Drücken und Umarmen aufgefordert wird.

Nur: Warum klappt’s bei mir nicht?

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