Anscheinstexte

Die Tagesschau berichtet heute über den umstrittenen Gesetzentwurf zur Änderung des Waffenrechts. In diesem Zusammenhang hört man den Begriff »Anscheinswaffen«.

Anscheinswaffen sind Waffenimitate, die echten automatischen Waffen täuschend ähnlich sehen. »Anscheinswaffen erwecken den Anschein echter Waffen und können daher unabhängig von ihrer Funktionsweise generell für Dritte optisch eine Gefährlichkeit ausstrahlen.«, so die offizielle Beschreibung des Innenministeriums.

Interessant ist der sprachliche Aspekt, daß jedes Ding potentiell nur den Anschein seiner selbst erweckt. Außer Anscheinswaffen könnte demnach eine Unzahl weiterer Anscheinsdinge existieren – zumindest wäre es leicht, diese zu konstruieren. Mir fallen da auf Anhieb die folgenden ein:

Anscheinsautos (laut ADAC diese billigen chinesischen Kopien)

Anscheinsmusik (Popstars-Konstrukte aus dem Fernsehen)

Anscheinsrente (die sichere)

Anscheinstext (neu für: Blindtext)

Das lässt sich bestimmt noch erweitern, oder?

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Marketing mit Herrn Veder

Ich fürchte nur, dass ich jetzt immer Herrn Veder vor Augen habe, wenn ich mal wieder einer strategischen Sitzung beiwohnen darf.

PS: Wer mehr über Virales Marketing erfahren will, dem sei Wikipedia empfohlen.

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Minus-Tendenz im Internet

In der ersten Zeit ging es noch gut. Doch irgendwann, etwa gleichzeitig mit dem Platzen der großen Dotcom-Blase, änderte sich der Sprachgebrauch. Folgte hier das Wort der Wirklichkeit?

Die Rede ist von der mündlichen Übermittlung von Internet-Adressen, also den Namen von Websites, nach dem üblichen http://www. Viele von diesen Adressen verwenden aus Gründen der besseren Lesbarkeit einen Bindestrich zwischen den einzelnen Sinnelementen. Statt accessforall.ch zum Beispiel access-for-all.ch. Wenn man jemandem früher eine solche Adresse mündlich weitergab, hörte sich das etwa so an: »Vau Deh Ih Bindestrich Nachrichten Punkt Komm«. Heute sagt alle Welt: »Vau Deh Ih Minus Nachrichten Punkt Komm«. Minus-Nachrichten? Eine Website nur für schlechte Nachrichten? Wohl kaum.

Wie konnte es passieren, dass aus dem schönen Bindestrich mit seinen positiven Assoziationen von Bindung, Verbundenheit, Anziehung und Verlockung ein schnödes, mißmutiges, pessimistisches Minus wurde? Sind wieder mal die Amerikaner Schuld mit ihrem englischen Sprachimperialismus? (Wobei von Imperialismus ja nicht die Rede sein kann, es handelt sich hierzulande wohl eher um eine freiwillige Unterwerfung.) Ich weiß es nicht. Es ist auch unwichtig.

Rettet den Bindestrich! Nachdem schon die schönste Ligatur der deutschen Schrift, das ß, von der Ausrottung bedroht ist, lasst uns wenigstens den Bindestrich noch eine Zeit lang hegen und pflegen. Er dankt es uns mit positiver Verbundenheit.

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Duden-Rätsel 2

Die Duden-Redaktion schweigt. Unsere schriftliche Anfrage mit der Bitte um Aufklärung über den Eintrag »das Multimedia« im Duden Nr. 1 (siehe Duden-Rätsel) wurde leider nicht beantwortet.

Wir erhielten lediglich den Hinweis auf eine kostenpflichtige Telefonnummer, unter der sich jemand unseren Problemen widmen würde. Naja, es ist gar nicht unser Problem.

Nächste Woche kaufen wir den »Wahrig«.

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Nicht existente Begriffe

Wussten Sie, daß es Begriffe gibt, die es gar nicht gibt?

Die GEZ (Gebühreneinzugszentrale) nennt so etwas »nicht existente Begriffe«. Dazu gehören unter anderem die Begriffe »GEZ-Gebühren«, »GEZ-Fahnder«, »GEZ-Brief« und »GEZ-Anmeldung«. Diese dienen angeblich dazu, ein negatives Image der GEZ hervorzurufen. Und nach dem Gebot, daß nicht sein kann, was nicht sein darf, befördert die GEZ einfach ein paar Begriffe ins Jenseits der Sprache. Frei nach Wittgenstein: Wo kein »Name«, da auch kein »Ding«. So haben die sich das wohl gedacht.

So weit, so lustig. Leider hat sich die GEZ dazu hinreißen lassen, das Internetportal Akademie.de wegen des Gebrauchs dieser »nicht existenten Begriffe« abzumahnen. Näheres dazu wurde von SPIEGEL ONLINE veröffentlicht. Dort findet sich auch die Liste aller »nicht existierenden Begriffe«.

Foto GEZ

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