Sex und Tschaikowski

»Meine Name ist Lena Berkova.« Na, das ist doch wenigstens mal ein höflicher Anfang. Seit der E-Mail-Werbemüll endlich auch in deutscher Sprache produziert wird, macht das Lesen direkt Spaß. Und wie gesagt: höflich und nett ist es geschrieben, da kann man nicht meckern.

Was die Sache aber erst richtig reizvoll macht, das ist diese versteckte Poesie, die durch charmante Fehler im Umgang mit der fremden Sprache eingeschmuggelt wird. Denn in dem von Frau Lena Berkova verfassten Schreiben heißt es weiter »Ich liebe Sex durch die Web-Kammer.« Gut, es muss natürlich heißen »in der Web-Kammer«, aber wer hat nicht von Zeit zu Zeit Probleme mit der richtigen Präposition. Sehen wir es Frau Berkova, die wohl in Russland zu Hause ist, nach. Entscheidend ist doch das Wort »Web-Kammer«. Das klingt wie … Grimm’s Märchen. Hat man nicht sofort Dornröschen vor Augen, den Turm, die Spinn-Stube? Musik erklingt im Ohr: Dornröschen, die berühmte Ballettmusik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Moment mal, der war doch auch Russe. Na also, hier schließt sich ein Kreis, wie wunderbar.

So hat doch letztlich alles seine guten Seiten. Frau Berkova hält es mit Dornröschen und ich höre wieder mal Tschaikowski. Danke für die nette E-Mail.

PS: Erzähle jetzt bitte keiner was von Web-Cams und ähnlichem Schmutz.

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Wundertüte TED

TED steht für Technology, Entertainment, Design. Es ist eine Initiative, die 1984 als Konferenz gestartet wurde, um Menschen aus diesen drei »Welten« zusammenzubringen.

Direkt mal ausprobieren? Es ist eine Wundertüte: TED.

Logo TED

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Das Deppenleerzeichen

prangert Martin Pittelkow in seinem eigens dafür geschaffenen Blog Deppenleerzeichen | Alleinstellungsmerkmal an. Im Blog finden sich zahlreiche Beispiele für die nicht aussterbende Marotte, zusammengesetzte Substantive als einzeln nebeneinander stehende Wörter zu schreiben. Durch schlichtes Ignorieren der Rechtschreibung entstehen dabei, vermutlich ungewollt, spaßige Gedanken. Da werden Menschen zu Pudding (»Werden Sie auch zum Pudding«) und Bayern gibt eine Pressekonferenz. Auch über die Frage »Wie kommt es eigentlich zum Deppenleerzeichen?« stellt der Autor einige interessante Thesen auf.

Pudding-Werbung

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Es geht auch aufwändiger

Ein Promotion-Video der Feldmann media group AG zeigt im Zeitraffer den Studiodreh für eine Bedienungsanleitung der neuen DaimlerChrysler CL-Klasse. Sehr beeindruckend, der Aufwand. Leider ist es mir noch nicht gelungen, das fertige Produkt, also die gefilmte Bedienungsanleitung zu sehen. Die interessiert mich nun wirklich sehr. Und auch: Wo schaut man sich so ein Auto-Bedienungsanleitungs-Video eigentlich an? Zu Hause, als informativen Ausgleich zum inhaltsleeren Fernsehprogramm? Oder vielleicht im/am fahrzeugeigenen Entertainment-Center? Keine Ahnung, wo das beim Mercedes CL ist. Fragen über Fragen, da wird wohl eine kleine Recherche beim freundlichen Mercedes-Händler fällig. Fortsetzung folgt.

PS: Gute Bedienungsanleitungen sind auch mit weniger Aufwand möglich. Bestimmt.

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Ungeliebte Wörter wandeln sich

Wörter wandeln sich umso schneller, je seltener sie benutzt werden, wichtige bleiben stabil. Diese Erkenntnis aus aktuellen Forschungen zur Sprachevolution (veröffentlicht in Nature, Bd. 449, S. 713) zitiert DIE ZEIT in ihrer Ausgabe 42. Verglichen wurden 200 elementare Begriffe in Englisch, Spanisch, Russisch und Griechisch mit Wörtern gleicher Bedeutung in 87 indogermanischen Sprachen. Nur bei wichtigen Wörtern fand sich stets ein in Stamm oder Klang ähnlicher Begriff in allen Sprachen. Sie wurden also selten modifiziert.

Was lernen wir daraus? Nun, wenn uns ein Wort lieb ist, sollten wir es verwenden. Je öfter desto besser. Auf dass es noch lange leben möge und vor Verhunzung bewahrt bleibe. Amen.

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