Multitasking ist eine Illusion

»Was wir als Multitasking erleben, ist nur ein schneller Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben«, erklärt der amerikanische Psychologe Jordan Grafman. »Dabei verwechseln wir Schnelligkeit mit Intelligenz«, sagt Ernst Pöppel. »Wer schnell ist, gilt immer auch als schlau.«

Es ist inzwischen durch zahlreiche Untersuchungen belegt und sollte sich als Erkenntnis für den Alltag durchgesetzt haben: Multitasking ist eine Illusion. Menschen können nur »nacheinander«. Wie man dennoch effizient (also schnell und effektiv) arbeitet, erläutert Katrin Blawat in Ihrem Artikel in Spiegel Online:

• Prioritäten setzen

• Stundenplan einhalten

• Routine erlangen

• Unterbrechungen vermeiden

Interessanterweise sind dies (unter anderem) die Kriterien, die von guten Bedienungsanleitungen erfüllt bzw. unterstützt werden. Zum Kern von Bedienungsanleitungen gehören neben den beschreibenden Informationen die so genannten Handlungsanweisungen. Die Reihenfolge Information –> Handlungsanweisungen hat sich dabei als die erfolgreichste Variante durchgesetzt.

Prioritäten setzen. Vor der Bedienung einer Funktion muss die Entscheidung fallen, ob diese Funktion zum gewünschten Ziel führt, unter welchen Umständen und mit welchen Auswirkungen auf andere Entscheidungen. Daher ist eine Beschreibung der Zielsetzung und Wirkungsweise unumgänglich, wenn vom Bediener der intelligente Einsatz gefordert wird. Beispiel: »Durch Auswahl des Komprimierungsfaktors können Sie die Bildqualität an Ihre Bedürfnisse anpassen. Der Faktor 10 erzeugt die maximale Komprimierung und gleichzeitig die schlechteste Bildqualität. Eine hohe Bildqualität führt automatisch zu einem hohen Datenaufkommen im Netzwerk und erfordert eine hohe Bandbreite für die unterbrechungsfreie Übertragung.« In diesem Fall muss der Leser eine Entscheidung fällen (aus den Möglichkeiten 1 bis 10) – was er kann, da er über die Auswirkungen informiert wurde.

Stundenplan einhalten. Eine gute Bedienungsanleitung stellt den optimalen Weg für das Lernen bereit. Zum Kennenlernen eines neuen Produktes, einer Software oder Maschine, wird ein Lernprogramm in Form von aufeinander folgenden Kapiteln präsentiert, das den Leser schnell und sicher zum Erfolg führt. Bei Einhaltung dieses Stundenplans wird das Lernziel im vorgegebenen Zeitrahmen erreicht. Leider verzichten viele Bedienungsanleitungen auf die Unterstützung eines Lernprozesses und beschränken sich auf die reine Funktionsbeschreibung in oftmals nur schwer durchschaubarer Reihenfolge.

Routine erlangen. Routine entsteht durch Üben. Gute Bedienungsanleitungen verwenden kleine Übungseinheiten, um dem Benutzer die Angst vor Fehlbedienung zu nehmen und gleichzeitig Basisabläufe einzuschleifen: »Speichern Sie die gleiche Datei noch einmal in ein anders Verzeichnis«. Routine ist übrigens die einzige Möglichkeit, tatsächlich so etwas wie Multitasking zu erleben, ist allerdings weitgehend beschränkt auf motorische Abläufe. (John Wayne konnte Gerüchten zufolge noch nicht einmal gleichzeitig laufen und Kaugummi kauen, geschweige denn reiten und sprechen.)

Unterbrechungen vermeiden. Unterbrechung im Handlungsablauf ist einer der häufigsten Fehler in Bedienungsanleitungen. Ein einmal begonnener Ablauf muss ohne Umwege, Verzweigungen oder eingeschobene Zusatzinformationen direkt zum Ziel führen. Daher auch die oben erwähnte strikte Reihenfolge. Anweisungen wie »Wenn …, dann fahren Sie fort mit Schritt 8; wenn …, dann lesen Sie bitte auf Seite 128 weiter. In allen anderen Fällen machen Sie mit dem nächsten Schritt weiter.« erfordern erneute Informationen und Entscheidungen inmitten eines laufenden Prozesses. Zusammenhänge gehen verloren, das Lernen wird erschwert, das Erfolgserlebnis bleibt aus, die Lust, sich weiter mit der Anleitung zu beschäftigen, sinkt rapide. Im schlimmsten Fall auch die Lust, sich mit dem Produkt weiter zu beschäftigen.

Zum Glück gibt es immer mehr Hersteller, die sich der Wirkung hochwertiger Produktinformationen und Bedienungsanleitungen bewusst sind. Sie werden belohnt, denn zufriedenen Kunden bedeuten nichts anderes als: steigende Profite.

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Handbücher selbst gemacht

Dienstleister wie Texter, Grafiker oder auch Technische Radakteure hören immer wieder den Vorwurf des Kunden: »Viel zu teuer.« oder »Für DEN Preis können wir es auch selbst machen.«.

Na dann, auf geht’s:

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Mehr Durchblick

»Der Bedarf an Durchblick wird immer größer«, sagt Gerd Billen, der neue Chef des Dachverbandes der Verbraucherzentralen; vor allem auf liberalisierten Märkten.

Foto Kinder-Handy

Eine Umfrage auf der diesjährigen Funkausstellung in Berlin ergab, dass gut 90 Prozent der Verbraucher den Überblick bei Mobilfunktarifen verloren haben. Bei der Technik auch: Nicht eine der Versuchspersonen fand den Schalter, um ein bestimmtes Handy zu aktivieren.

Der Informationsmangel wird allmählich auch den Herstellern bewusst. Gunhild Lütge beschreibt in Ihrem Artikel in der ZEIT zahlreiche Beispiele und erste Reaktionen. Sie zitiert unter anderem Joseph Stiglitz, früher Chefökonom der Weltbank und Nobelpreisträger: »Der informierte Verbraucher ist kein Feind des Produzenten, sondern ein wichtiger Partner im Marktgeschehen.«

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Weltbedienungsanleitungen

Wer wünscht sich das nicht: Eine Bedienungsanleitung, die Antworten auf alle Fragen gibt, ein Handbuch, das für jede Situation den richtig Tipp liefert. Die Weltliteratur kennt zumindest zwei dieser Wunderwerke: das Pfadfinderhandbuch des Fähnlein Fieselschweif und das Handbuch »Per Anhalter durch die Galaxis«.

Fast jeder kennt sie, die weltberühmten Bewohner von Entenhausen. Unter ihnen die drei Neffen Tick, Trick und Track, die kleinen Besserwisser, die für jede Lebenslage eine Antwort parat haben aus dem Pfadfinderhandbuch. Dieses ist nichts weniger als »eine unerschöpfliche Grube des Wissens”, wie man in Entenhausen sagt, und hat dabei nur die Größe eines normalen Taschenbuchs. Vielleicht ist das schlaue Büchlein ja eine Art Black Berry oder die frühe Vision des Internets als Wissensquelle – was wieder einmal zeigen würde, dass uns Entenhausen in technologischer Hinsicht weit überlegen ist. Carl Barks, der geniale Geschichtenerzähler und Zeichner, hat dafür gesorgt, dass das Pfadfinderhandbuch unsterblich wurde und heute als ein Ideal für Bedienungsanleitungen gelten darf – mit dem schlichten Motto: Auf jede Frage die richtige Antwort.

Einen ähnlichen Kultstatus erlangte der »Hitchhiker’s Guide to the Galaxy« des englischen Schriftstellers Douglas Adams. Die berühmt gewordene Antwort des Romans auf die Frage »nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest« ist allerdings wenig hilfreich: »42«. Sie soll zum Ausdruck bringen, dass mit einer Antwort nichts anzufangen ist, wenn die entsprechende Frage nicht präzise gestellt wurde. Auch heute noch kann man auf diesen Zusammenhang nicht oft genug hinweisen, wenn es um das Thema Bedienungsanleitungen geht.

Ein guter Rat, der immer und überall gilt, ist und bleibt natürlich:

Don't panic

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Der Schweizerdegen

ist nur einer von vielen Begriffen aus der wunderbaren Fachsprache der Buchdrucker. Das Institut für Textkritik hat der Druckersprache eine eigene Rubrik gewidmet. Beim Stöbern in diesem Wörterbuch findet man erstaunliche Definitionen von »Cicero«, »Papst«, »Ladenvater« oder »Eierkuchen«. Haben Sie den Schweizerdegen schon gefunden?

Die letzte Aktualisierung der Website war allerdings am 9. Januar 2005 (Angabe auf der Seite »Über das ITK«). Was ist wohl in der Zwischenzeit geschehen?

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