E-Bikes und ihre Bedienungsanleitungen

»E-Bikes sind der Verkaufsschlager« titelt die Sächsische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe. Im Verlauf des Artikels werden Verkaufszahlen und Statistiken des ZIV (Zweirad-Industrie-Verband) beleuchtet und Tipps für den Erwerb des elektrischen Fahrrads gegeben. Hier wird Hannes Neupert vom Fachmagazin ExtraEnergy mit den Worten zitiert: »Abgesehen von Billigrädern sagt der Preis aber nicht immer etwas über die Qualität aus.« Ein besseres Indiz für Qualität sei beispielsweise eine mehrjährige Garantie auf Batterien, denn ein neuer Akku schlage immerhin mit Kosten zwischen 500 und 700 EUR zu Buche.

Und dann kommt er, der Absatz, mit dem sich die Sächsische Zeitung und Herr Neupert diesen kleinen Artikel hier bei uns verdient haben:

Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Bedienungsanleitung. „Wenn die ausführlich und gut verständlich ist, kann man davon ausgehen, dass der Hersteller sich auch bei der Entwicklung des Rades Mühe gegeben hat.”

So ist es. So einfach. Die Bedienungsanleitung ist Teil des Produktes. Erst, wenn für die Bedienungsanleitung ebenso viel Energie, Mühe und Können investiert wird wie für Metall, Lackierung, Software, Design und Marketing, wird das Produkt perfekt. Erst dann ist es im wahrsten Sinn des Wortes vollendet.

Doch gute Bedienungsanleitungen haben es fast immer mit zwei mächtigen Gegnern zu tun: Desinteresse am Kunden (nach dem Verkauf) und Geiz (vor dem Verkauf). Beides keine Eigenschaften, die dem Image förderlich sind. Nur glauben Hersteller immer noch viel zu oft, dass ihre Kunden es nicht merken. Darum jetzt noch einmal in aller Deutlichkeit, liebe Hersteller:

Doch, sie merken es! Wir merken es! Und sogar Sie merken es, wenn Sie selbst in der Situation des Kunden sind. Darüber, liebe Hersteller, dürfen Sie jetzt mal 5 Minuten nachdenken.

 

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Leitfaden Maschinenrichtlinie auf Deutsch freigegeben

In einer Pressemitteilung vom 7. September 2011 gibt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die Freigabe der deutschen Übersetzung des Leitfadens zur Maschinenrichtlinie 2006/42/EG bekannt. Dabei handelt es sich um die deutsche Übersetzung des Leitfadens zu den Erwägungsgründen und zum verfügenden Teil.

Der mit Österreich und der Schweiz abgestimmte Text steht nun als PDF-Datei zum Download bereit: Leitfaden für die Anwendung der Maschinenrichtlinie 2006/42/EG.

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Risikobeurteilung – den Tod immer vor Augen?

Die Risikobeurteilung ist eine der wichtigsten Informationsquellen für das Erstellen von Betriebsanleitungen für Maschinen. Sie beschreibt, welche Risiken erkannt wurden, wie sie minimiert oder ausgeschaltet werden konnten und vor welchen Restrisiken in der Betriebsanleitung gewarnt werden muss. Alles in allem also ein hervorragendes Instrument für die Technische Dokumentation.

Was aber ist genau ein Risiko? Und wie hoch ist es? Im Rahmen der Risikobeurteilung geht es fast immer darum, ein Risiko einzuschätzen. Einschätzen heißt schätzen, also raten. Zuweilen gibt es Statistiken, die man zu Rate ziehen kann, etwa über Arbeitsunfälle oder Versicherungsfälle. Viel häufiger jedoch ist man tatsächlich auf reines Schätzen angewiesen. Abgeschätzt werden muss dabei nicht nur die Häufigkeit des Risikos, sondern auch die Schwere des möglichen Schadens.

Im informativen Anhang A der IEC/EN 62061 ist beispielhaft ein Verfahren zur qualitativen Risikoabschätzung und Festlegung des SILCL dargestellt, das auf der in der EN ISO 14121 vorgestellten Methode basiert und zur Beurteilung die folgenden Risikoparameter verwendet:

  • S Schwere des möglichen Schadens bzw. Verletzung
  • F Häufigkeit und Dauer der Exposition
  • W Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines gefahrbringenden Ereignisses
  • P Möglichkeit der Vermeidung oder Begrenzung des Schadens

Die Methode suggeriert eine gewisse Plausibilität und Sicherheit. Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen: die Schätzung. Und leider hat der Mensch mit dem Schätzen so seine Probleme. Meist liegt er daneben.

»Die Angst der Menschen vor den Risiken ist meistens sozial bestimmt«, sagt der Risikoforscher Professor Gerd Gigerenzer. Und weiter: »Wir fürchten das, was die anderen fürchten, nicht das, was uns notwendigerweise umbringt.«

DRadio Wissen, unser Lieblingsradioprogramm, hat zum Thema Risiko einige interessante Beiträge veröffentlicht, die man hier anhören kann:

Gespräch mit dem Risikoforscher Gerd Gigerenzer

Tod durch Keks

Risiko und Informationsfluss

Obwohl es in den Gesprächen und Beiträgen nicht um Technische Dokumentation geht, geben die Informationen spannende Anregungen, wie der Mensch über Risiken und den Umgang damit nachdenkt und wie man zu (Fehl-)Urteilen kommen kann.

Es ist immer gut, die Risiken zu kennen – auch bei der Risikobeurteilung.

 

 

 

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Fachsprachen und Sprachpannen

Leute, die sich auf einem Gebiet besonders gut auskennen, tappen früher oder später in die Falle der professionellen Klugscheißerei: sie wissen alles und oft auch noch besser. Insbesondere Lehrer stehen in diesem eher zweifelhaften Ruf. Oft beruhen die erstaunlichen Kenntnisse schlicht auf dem korrekten Umgang mit der Fachsprache einer bestimmten Berufsgruppe. Die Sprache der Jäger etwa hält besonders schöne Beispiele bereit.

Auch für Technische Redakteure ist es immens wichtig, die Fachsprachen ihrer Arbeitsgebiete zu kennen und zu beherrschen. Das Gemeine dabei ist, dass viele Begriffe oft gar nicht als Fachwörter identifizierbar sind, wenn man deren Bedeutung in bestimmten Zusammenhängen nicht kennt. Der »Taupunkt« zum Beispiel hat nichts mit der morgendlichen Wiesenfeuchtigkeit zu tun und »Hurenkinder« nichts mit käuflichem Sex.

Auf diese Gemeinheit ist sogar der Duden-Kalender »Auf gut Deutsch! 2011« hereingefallen. In Form eines Abreißkalenders werden hier allerlei Themen der deutschen Sprache behandelt und mit mehr oder weniger klugen Bemerkungen versehen.

In der Rubrik »Sprachpannen« wurde uns heute mit der süffisant formulierten Frage »Hülsenfrüchte zum Segeln?« die vermeintlich falsche Überschrift aus einem Seglermagazin präsentiert:

»Leinen los und Schoten dicht!«

Diese professionelle Klugscheißerei ging – um mal im Bild zu bleiben – voll in die Hose.

Mit gewisser Häme erklärt die Rückseite des Blattes, dass Segelschiffe früher zwar Säcke mit Hülsenfrüchten transportiert haben, mit der Redensart »die Schotten dicht machen« jedoch etwas ganz anderes gemeint ist, nämlich das Verschließen der Querwände eines Schiffes.

Das mit den Querwänden stimmt. Aber das heißt nicht automatisch, dass »Schoten« (mit nur einem t) ein Schreibfehler sind. Neben den Schotten gibt es in der Fachsprache des Segelns tatsächlich auch die Schoten. Schoten sind Leinen, mit denen die Segel bedient werden. Genauer: an »Fallen« werden Segel hinaufgezogen und herabgelassen, mit den »Schoten« werden sie gelenkt, das heißt, in eine bestimmte Position zum Wind gebracht.

Die bemängelte Überschrift des Seglermagazins (!) lautet demzufolge vollkommen korrekt: »Leinen los und Schoten dicht!« und ist keineswegs eine Sprachpanne.

Unter »Dichtholen« versteht man das Heranziehen einer Schot, sodass sich das Segel spannt und die Energie des Windes aufnimmt. In der Folge nimmt das Boot Fahrt auf. Übersetzt heißt »Leinen los und Schoten dicht!« nichts anderes als »Das Boot losbinden und abfahren!«

Tja, so kann es gehen, wenn man eine Fachsprache nicht beherrscht oder noch nicht einmal erkennt. Für uns Technische Redakteure bedeutet das: immer genau hinhören und ohne Scheu nachfragen, wenn auffällig unauffällige Wörter wiederholt von Fachleuten verwendet werden.

Kleiner Tipp: Für viele Fachsprachen gibt es Fachwörterbücher. Hier eine Liste anzulegen, würde allerdings den Rahmen dieses kleinen Magazins sprengen.

 

 

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Doku auf dem iPad … so?

Das Luxusmodell des koreanischen Autoherstellers Hyundai, eine Limousine mit dem wohlklingenden, aber irgendwie auch irritierenden Namen Equus, hält als Zugabe ein besonderes Schmankerl bereit: Zu jedem Fahrzeug erhält der neue Besitzer ein iPad mit installierter Equus-App.

Bei Youtube findet man mehrere recht begeisterte Kurzrezensionen und Vorführungen, unter anderem diese:

und diese:

Ja, das sieht hübsch aus und bietet auch ein bisschen was zum Spielen. Aber was soll’s darüber hinaus? Wozu sollte ich mir auf einem 9,7″-Bildschirm den Innenraum eines Autos anschauen, das mir gehört, wenn ich mich genauso gut hineinsetzen kann. Warum sollte ich mir auf dem iPad die Simulation des Entertainment-Systems antun, wenn ich es direkt und unsimuliert bedienen kann? Das Handbuch, so sieht es aus, ist eine 1:1-Wiedergabe des gedruckten Handbuchs. Nix mit Virtual Reality oder Augmented Reality.

Als Marketing-Gag ist das nicht schlecht. Wer so viel Geld für ein Auto ausgibt, der freut sich wahrscheinlich über eine kleine Dreingabe. Früher gab’s Regenschirme und Picknick-Decken, heute eben ein iPad. Trotzdem, im Hinblick auf ein mögliches interaktives Benutzerhandbuch ist das Ergebnis eher enttäuschend. Schade. Vielleicht ist es an der Zeit, solche Projekte von den Werbeagenturen abzuziehen und den Spezialisten für Technische Kommunikation zu übergeben. Es geht definitiv besser, hoffen wir auf die Kollegen von Mercedes.

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