Wahrheit und Lüge im Internet

Es ist doch so: Wer heutzutage etwas wissen will, eine Information braucht oder etwas nicht versteht, der fragt Google oder Wikipedia.

Der Blick in Bücher, der Gang in Bibliotheken, bleibt einem verschwindend geringen Prozentsatz der Bevölkerung vorbehalten. Vorbehalten? Nein, er bleibt niemandem vorbehalten, er steht jedem offen. Es ist die pure Bequemlichkeit, die zu dem verqueren Massenanspruch führt, alles und dazu auch noch korrekt im Internet zu finden.

Alles? Korrekt? Wer das glaubt, der glaubt wahrscheinlich auch an den Weihnachtsmann. Das Internet ist ein urdemokratisches Medium, im Prinzip. Das bedeutet, jeder kann alles veröffentlichen, was er für richtig hält. Keine Instanz kann die Datenflut kontrollieren und den Gehalt klassifizieren. Dies gilt für die Ergebnisse von Suchmaschienenabfragen ebenso wie für das gesammelte Wissen in so genannten Wikis. »Wiki« bedeutet in erster Linie »schnell«, nicht »richtig«. Aktualität steht an erster Stelle. Aber wer sagt, dass die aktuellste Information die richtige ist?

Selbstverständlich werden die Suchalgorithmen von Google ständig verbessert. Klar ist Wikipedia ein geniales Projekt, dem man seinen Qualitätsanspruch nicht absprechen kann. Aber auch diese beiden Giganten sind vor Manipulation und Missbrauch nicht sicher. Immer wieder ist Wikipedia das Ziel von Werbe- oder PR-Aktionen. So genannte Edit-Wars (Schreiben und Überarbeiten von Artikeln durch unterschiedliche Interessengruppen) sind an der Tagesordnung. Da bleibt die Qualität auf der Strecke und die Demokratie gerät an ihre Grenzen. In Wikipedia hat »Bestand, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird«. Ist das eine Basis für die Darstelluing von Wissen: die Akzeptanz der Gemeinschaft? Wikipedia hat klare und sinnvolle Regeln, doch es bleibt ein Kampf zwischen Wollen und Können.

Wer sicher gehen will, dass im Internet gefundene Informationen richtig, vollständig oder auch nur halbwegs neutral sind, der kommt um eine Überprüfung nicht herum. Klar, das bedeutet wieder genau den Aufwand, den man eigentlich nicht treiben wollte … und das muss dann jeder selbst wissen, ob es das wert ist.

Screenshot Wikipedia

Bei Wikipedia gilt: Immer mal einen Blick in die Historie unter den Links »Diskussion” und »Versionen/Autoren« werfen.

Ältere Versionen von Websites findet man mit der Wayback Machine.

Die Spezialsuchmaschine Copyscape findet Kopien von Webinhalten und enttarnt Plagiate.

Wenn man wissen will, wer eine Domain betreibt, dann hilft eine Whois-Datenbank, zum Beispiel die der DENIC (Deutsches Network Information Center) oder die der IANA (Internet Assigned Numbers Authority).

Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, Informationen aus dem Netz zu verifizieren. Nicht vergessen: Dazu gehören auch Bücher!

PS: Bitte überprüfen Sie diesen Artikel mit eigenen Recherchen!

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Bescheuerte Warnhinweise

Es ist wie bei allen demokratischen Vorgängen: Man bekommt das, was man verdient. Das trifft auf politische Wahlen zu und im erweiterten Sinn auch auf produktbezogene Warnhinweise in den USA. Das dortige Rechtssystem »Schuldig bis zum Beweis des Gegenteils« und die damit verbundenen horrenden Schadenersatzsummen bringt viele Hersteller dazu, im Zusammenhang mit ihren Produkten auch noch vor den abstrusesten der denkbaren Fehlbedienungen zu warnen.

Warnhinweis Kinderwagen

Eine wunderbare Quelle im Internet ist der »Wacky Warning Label Contest« der Organisation M-LAW (Michigan Lawsuit Abuse Watch).

Den Großen Preis beim 11. Wettbewerb gewann der Hinweis »GEFAHR! Vermeiden Sie den Tod!«

Bei einem Brieföffner wird das Tragen einer Schutzbrille empfohlen. Das erinnert an ein altes Kindergeburtstagsspiel, bei dem man versuchen muss, mit Handschuhen, Schal, Mütze und Mantel bekleidet, mit Messer und Gabel eine Tafel Schokolade zu öffnen, die außerdem noch mit einer verknoteten Paketschnur umwickelt ist.

»Keine Personen in die Waschtrommel stecken!« und »Hemden nicht am Körper bügeln!« sind weitere Highlights.

Aber: Nicht in jedem Fall ist ein zunächst sinnlos erscheinender Warnhinweis wirklich überflüssig. Hierzulande haben Hersteller eine so genannte Produktbeobachtungspflicht. Wenn einem Hersteller beispielsweise zu Ohren kommt, dass tatsächlich schon einmal jemand versucht hat, mit Haartönung eine Geburtstagstorte zu färben, dann hat er die Pflicht, vor diesem von nun an bekannten Missbrauch zu warnen (»Nicht zum Färben von Lebensmitteln geeignet«).

2 Kommentare

Überhaupt nicht Nullachtfünfzehn

Eine interessante Sammlung hat Ralph Babel auf seinen Seiten zur deutschen Sprache zusammengestellt. Es handelt sich um die FAQ-Liste des Usenet-Forums de.etc.sprache.deutsch, eine Sammlung häufiger Fragen und Antworten zur deutschen Sprache, zu Sprache allgemein und zu angrenzenden Themen.

Die Seiten werden regelmäßig gepflegt und enthalten eine ganze Reihe interessanter Details und nützlicher Informationen. So lernt man beispielsweise, woher die Wendung »aus dem Stegreif« kommt – und ganz nebenbei, dass es »Stegreif« heißt und nicht »Stehgreif«.

Zur besseren Übersicht sind die Fragen und Antworten in Kategorien aufgeteilt, darunter

  • Etymologie
  • Wortgebrauch
  • Fremdwörter
  • Lokalkolorit
  • Umlaute/Eszett
  • Typographie
  • Politisch korrekt

Gut, man muss nicht mit allen Antworten einverstanden sein, aber der Autor nimmt für die Liste auch nicht in Anspruch, »offiziell« oder allumfassend zu sein oder es jedem recht machen zu wollen. Kommentare und Anregungen sind ihm willkommen.

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Sprache und Denken

Der Linguist Steven Pinker bringt in seinem Vortrag »The stuff of thought« Inhalte seines gleichnamigen Buches vorab zu Gehör.

Steven Pinker betrachtet Sprache und geht dabei der Frage nach, welche Verbindungen zwischen Worten und Gedanken, zwischen Sprache und Denken, bestehen. Der Untertitel des Buches lautet daher folgerichtig »Language as a window into human nature«.

»The stuff of thought« ist im November 2007 erschienen und bisher nicht in deutscher Sprache erhältlich.

Buchtitel The stuff of thought

So urteilt die Presse:

»A display of fiercely intricate intelligence and nobody with the least interest in language should miss reading it.«- The Times (London)

»Curious, inventive, fearless, naughty.« – New York Times

»Packed with information, clear, witty, attractively written, and generally persuasive.« – Colin McGinn, New York Review of Books

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23. Januar – MacGyver hat Geburtstag

Richtiger ist, Richard Dean Anderson, der Schauspieler, der den Titelhelden von 1985 bis 1992 in der gleichnamigen Fernsehserie verkörperte, hat heute Geburtstag. 1985 wurde Anderson (oder vielleicht auch nur MacGyver) vom People Magazine zum »Sexiest Survivalist« nominiert.

Das geniale an diesem Pantoffelkinohelden: Ganz ohne Bedienungsanleitung bastelte er Folge für Folge aus banalen Alltagsgegenständen effektvolle Apparate und technische Wunderwerke, in der Regel irgend etwas, das früher oder später explodiert , schießt oder wie eine Rakete fliegt. MacGyver genügen dabei nur ein paar zufällig herumliegende oder nicht weiter beachtete Dinge des täglichen Lebens, zum Beispiel Dosen, Tüten, Zwirn, Backpulver oder auch mal ein Feuerwehrschlauch.

Herzlichen Glückwunsch, MacGyver!

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