Bedienungsanleitung nach Pulitzer

Was immer du schreibst,

schreibe kurz, und sie werden es lesen,

schreibe klar, und sie werden es verstehen,

schreibe bildhaft, und sie werden es im Gedächtnis behalten.

So lautet das wohl berühmteste Zitat von József Pulitzer; wer würde dem nicht zustimmten? Pulitzer meinte natürlich journalistisches Schreiben, aber auch Autoren von Technischer Literatur, Bedienungsanleitungen und Gebrauchsanweisungen sind gut beraten, diese einfache Wahrheit stets zu beherzigen. Selbst wenn sie für ihre Arbeit vermutlich nie einen Pulitzer-Preis erhalten werden. Warum eigentlich nicht?

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Auffallende Sicherheitshinweise

Sicherheits- und Warnhinweise müssen auffallen, heißt eine Regel für Betriebsanleitungen und Technische Instruktionen. Bitte schön:

Wortwolke

So ist das nicht gemeint? Stimmt. Selbstverständlich müssen Sicherheitshinweise so auffallen, dass sie nicht übersehen werden. Gleichzeitig müssen sie aber gut lesbar, leicht verständlich und eindeutig sein. Eine Faustregel beschreibt das mit dem Akronym SAFE, das für 4 Grundsätze bei der Gestaltung von Sicherheitshinweisen steht:

Schwere der Gefahr

Art und Quelle der Gefahr

Folge bei Missachtung

Entkommen

Nun gut, es klingt ein bisschen holprig, der Eselsbrücke »SAFE« geschuldet. Statt Entkommen wäre Vermeiden vielleicht der bessere Begriff. Klar wird es an einem Beispiel:

• Verbrennungsgefahr!

• Die Leitungen im Abgasraum sind mehr als 180 °C heiß.

• Berühren der Leitungen kann sofort zu schweren Verbrennungen führen.

• Vor Öffnen der Tür unbedingt Schutzhandschuhe anlegen.

Das typografische »Kunstwerk« stammt übrigens von Wordle, einem spaßigen Spielzeug zum Erzeugen von Wortwolken. Noch eins? Bitte:

Wortwolke

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Externe Bedienungsanleitung fürs iPhone

Apples Geräte seien leicht zu bedienen, heißt es doch immer. Alles ganz intuitiv beherrschbar. Ganz so leicht scheint es doch nicht zu sein. Wer Zeit hat, kann sich mal einen Nachmittag in verschiedenen Internetforen zum Thema iPhone umschauen. Danach ist man geneigt, auf den Kauf des Wunderdings zu verzichten. Der Gruppe der iPhone-3G-Neulinge haben sich daher die Autoren Simone Ochsenkühn und Michael Krimmer angenommen und ein Buch über die ersten Schritte (und weitere) am iPhone geschrieben:

Buchtitel Mein iPhone und ich

Die Autoren versuchen, den iPhone-Neuling behutsam und detailreich an das hübsche Mobiltelefon von Apple heranzuführen. Vom iTunes-Download (notwendig zur Aktivierung des Telefons) über das Einsetzen der SIM-Karte bis zur Aktualisierung der Software reicht allein das erste Kapitel.

In den weiteren 13 Kapiteln werden alle Grundfunktionen genau erklärt. Das Autorenduo erklärt sogar die Unterschiede des aktuellen und im Buch behandelten iPhone 3G zum iPhone der ersten Generation – das gibt zumindest Sicherheit, dass man auch wirklich das richtige Gerät gekauft hat.

Für Fortgeschrittene werden schließlich einige Anwendungen aus dem App Store vorgestellt und genau erläutert, wie die drahtlose Synchronisation mit MobileMe funktioniert. Zu guter Letzt gibt es ein wenig Werbung für Zubehör: Kopfhörer für Sport und Freizeit, verschiedene Hüllen und ein Aufladeset fürs Auto werden vorgestellt.

Das über 300 Seiten starke Werk bringt damit nicht nur die fehlende ausführliche Bedienungsanleitung mit, sondern eignet sich auch als Nachschlagewerk für Fortgeschrittene.

Und nun zur Gretchenfrage an Apple: Warum eigentlich liefert Apple nicht gleich so etwas mit? Ist das bei dem Preis etwa nicht drin? Sieht so Kundenfreundlichkeit aus? Mal nachdenken.

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Dumme Wortwahl in der Werbung

»Das passiert, wenn in Werbeagenturen 25-jähriges Frischfleisch fröhlich vor sich hin textet und auf Kundenseite 27-jährige ahnungslose BWL-Abgänger Freigaben erteilen.« So der Kommentar einer Freundin aus der Werbebranche. Was ist passiert?

Die Unternehmen Tchibo und Esso haben nach einem Bericht der Frankfurter Rundschau eine gemeinsame PR-Aktion gestoppt, die an rund 700 Tankstellen unter dem Slogan »Jedem den Seinen« warb. Der Slogan spielt mit dem berühmten Motto »Jedem das Seine« (suum cuique) des römischen Philosophen Cato der Ältere. Dieser wurde jedoch von den Nationalsozialisten missbraucht: Er stand über dem Eingang des Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar.

Foto Eingang Konzentrationslager

Tchibo-Sprecherin Angelika Scholz erklärte laut Frankfurter Rundschau, das Unternehmen habe »nie die Absicht gehabt, Gefühle zu verletzen«. Sie räumte ein, der Slogan sei »unglücklich« gewählt. Die Plakate sollten »schnellstmöglich« wieder abgehängt werden. Esso-Sprecher Olaf Martin sagte, die beauftragte Werbeagentur habe die historische Bedeutung des Satzes offenbar nicht erkannt.

Quelle: AFP

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Option für den Weltfrieden

Menschen, die technische Literatur schreiben, also zum Beispiel Bedienungsanleitungen oder Technische Handbücher, verwenden gern das Programm Adobe FrameMaker, insbesondere die Variante für strukturierte Dokumente (XML). Für diesen strukturierten FrameMaker gibt es zahlreiche Plugins für sinnvolle Zusatzfunktionen.

Eines dieser Plugins ist ABCM von West Street Consulting. Es dient zur Erstellung und Verwaltung von »bedingtem Text«. Und nun gibt es just in diesem Plugin ein Dialogfenster »Filter«, das mit einer ganz besonderen Option aufwartet – Die Verwirklichung des Weltfriedens auf Knopfdruck:

Screenshot aus FrameMaker

Tja, ob das so einfach geht? Vielleicht ist es ja wirklich so einfach. Oder wie ein kluger Kopf einmal sagte: »Die meisten Menschen wissen, was das Richtige ist. Aber nur wenige sind in der Lage, es zu tun.«

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