Taktiler Widerstand gegen Tastaturmissbrauch

Vielleicht wurde diesen Gummimatten bisher zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Ein Beitrag im manualBLOG hat uns jetzt die Augen geöffnet. Es geht um diese flexible Tastatur:

In der Beschreibung heißt es: »Endlich eine robuste Tastatur, welche Missbrauch jeder Art widerstehen kann.«

Missbrauch jeder Art widerstehen? Also: Nie wieder Tippfehler, keine schwer verständlichen Sätze mehr, keine unsinnigen Behauptungen, falschen Schlüsse, überflüssigen Apostrophe und umständlichen Formulierungen mehr? Großartig. Die ultimative Tastatur für die schreibende Zunft. Schon bestellt.

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Telefonieren nur nach bestandener Handbuchprüfung

Es reicht. In einem weltweiten Zusammenschluss haben führende Unternehmen der Unterhaltungsindustrie jetzt einen Mechanismus entwickelt, der die Bedienung von Geräten erst dann freigibt, wenn zuvor ein Test zur Bedienungsanleitung bestanden wurde.

Hersteller der Unterhaltungsindustrie wissen es seit langem: »Kein Mensch liest Bedienungsanleitungen.« Darunter zu leiden haben – neben den Käufern selbst, die viel Geld ausgeben für Geräte, die sie nur zu einem Bruchteil verstehen und nutzen – vor allem die geplagten Hotline-Mitarbeiter, die zwar das Mantra RTFM (read the fucking manual) von morgens bis abends denken, aber nicht laut aussprechen dürfen.

Jetzt ist Schluss mit dieser Unlust der Verbraucher. Beim Einschalten von Handys beispielsweise werden auf dem Display 10 Fragen eingeblendet, deren richtige Beantwortung erst die vollständige Bedienung des Geräts freigibt. Dann heißt es dann unter anderem:

Wo dürfen Sie keinesfalls telefonieren?

Wie stellen Sie den Klingelton aus?

Wie ändern Sie Ihre PIN?

Sind alle Fragen, natürlich mit Hilfe der Bedienungsanleitung, beantwortet, kann losgehen mit dem ungetrübten Plappern.

»Wir investieren viel Geld in unsere Bedienungsanleitungen«, so begründete der Technische Vorstand des Weltmarktführers das unbarmherzige Vorgehen, »auch wenn man es dem Ergebnis nicht immer anmerkt.« Jedenfalls habe man endlich ein Mittel gegen diese unerträgliche Ignoranz gegenüber Bedienungsanleitungen gefunden und werde dieses auch mit aller Härte einsetzen.

Erste Reaktionen aus Frankreich und den Benelux-Staaten sind durchaus positiv. »Endlich kriegt man von Verkäufern vernünftige Antworten auf Fragen vor dem Kauf. Bisher haben die doch nur rumgeeiert, wenn man mal eine genauere Auskunft wollte«, so die Kundin einer Elektronikkette.

Begeistert zeigte sich auch die Kanzlerin von der neuen Strategie »Manche Menschen muss man eben zu ihrem Glück zwingen. Ich kenne das.«

Warten wir mal ab, wie es nach dem 1. April weitergeht.

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Wie schreibt man Bedienungsanleitungen?

Genau durch diese Frage werden immer wieder Besucher auf diese Website geführt, dank einem schlauen Hinweis des großen Internetorakels »Google«. Nun ist ein Eintrag auf den Google-SERPs (Search Engine Result Pages = Suchergebnisseiten) noch keine Antwort. Versuchen wir’s also hier.

Die erste schnelle Antwort: Das Schreiben von Bedienungsanleitungen oder allgemeiner formuliert, Technischer Literatur, lernt man nicht aus Büchern. Gut wird man darin vor allem durch drei wichtige Regeln: Üben, üben und – üben! Nachdem man sich über Grundlagen und wissenswerte Hintergründe informiert hat, gibt es demnach nur einen Weg: machen! Und dann: andere fragen, was sie davon halten. Fachleute nennen so etwas »Usability Test«. Dazu ein ganz wichtiger Tipp: Frag nie Deine Freunde, ob Du etwas gut gemacht hast; frag Deine Feinde. Und: Frag nicht, was ihnen daran gefällt. Frag nur, was sie anders machen würden. Nur die Antwort auf die letzte Frage bringt Dich weiter. (Diese Weisheit stammt übrigens von Paul Arden.)

Doch zurück zu den Büchern. Natürlich kann man Vieles aus Büchern erfahren, auch Nützliches für das Schreiben von Texten. Bücher können aber nur eine Wissensbasis bilden für das eigene Arbeiten, nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Da wären zum Beispiel die gesetzlichen Grundlagen, Richtlinien, Normen und Regeln. Dann wissenschaftliche Erkenntnisse über die Arbeitsweise des Gehirns und wie man diese beim Texten nutzbar macht. Dazu noch schlaue Bücher über Lernpsychologie, Pädagogik und Lernbiologie. Und nicht zuletzt gut geschriebene Bedienungsanleitungen, bei denen man versucht herauszufinden, warum sie so gut sind.

Hier ist eine Liste von nützlichen Büchern, die auf Anregung jederzeit gern erweitert wird (ohne Wertung):

Wissensvermittlung. Die Gestaltung von Lernmaterial, von Steffen-Peter Ballstaedt, ISBN 3-621-27381-6

Sich verständlich ausdrücken, von Inghard Langer, Friedemann Schulz von Thun, Reinhard Tausch, ISBN 978-3497016068

Psychologie des Lernens, von Guy R. Lefrancois, ISBN 978-3540328575

Technische Dokumentation. Praktische Anleitungen und Beispiele, von Dietrich Juhl, ISBN 978-3540431275

Mut zur Typographie, von Jürgen Gulbins, Christine Kahrmann, ISBN 978-3540557081

Typografisches Gestalten, von Manfred Siemoneit, ISBN 3-934938-22-1

Desktop Knigge, von Philipp Luidl, ISBN 978-3875124125

Technische Dokumentation: Normen für Produktdokumentation und Dokumentenmanagement, von DIN e.V., ISBN 978-3410168997

Detailtypografie, von Friedrich Forssman und Ralf de Jong, ISBN 978-3874396424

Die Verständlichkeit von Software-Hilfesystemen, von Christian Bartsch, ISBN 978-3795007706

Handbuch für Technische Autoren und Redakteure: Produktinformation und Dokumentation im Multimedia-Zeitalter, von Walter Hoffmann; Brigitte G. Hölscher; Ulrich Thiele, ISBN 978-3895781872

Gebrauchsanleitungen optimal gestalten, von Jona Piehl, ISBN 978-3540426196

Lernen mit Bildmedien, von Hermann Will , Bernd Weidenmann, ISBN 978-3407360151

itl-Lexikon für technische Kommunikation, von Peter Eiblmayr, Claudia Fottner-Top, Heinz O. Hellerer und Uta Hanisch, ISBN 978-3980577045

The Technical Writer’s Handbook, von Matt Young, ISBN 978-1891389214

Der Weg zur haftungssicheren Dokumentation, von Andrea Rögner, ISBN 978-3938334379

Software-Dokumentation, von Gertrud Grünwied, Wilfried J. Bartz und Elmar Wippler, ISBN 978-3816926825

Betriebs- und Gebrauchsanleitungen, von Matthias Schulz, ISBN 978-3938334409

4 Farben 1 Bild, von Mattias Nyman, ISBN 3-540-01314-8

Lehren und Lernen mit Bildern, von Gabriele Lieber, ISBN 978-3834004789

Handlungsorientierte Gestaltung von Bedienungsanleitungen, von Cornelia Kühn, ISBN 3795070082

Technische Dokumentation für internationale Märkte: Haftungsrechtliche Grundlagen, Sprache, Gestaltung, Redaktion und Übersetzung, von Jörg Ferlein und Nicole Hartge, ISBN 978-3816925804

Rechtliche Anforderungen an Benutzerinformationen, von Carl O. Bauer, ISBN 978-3795007591

(Stand 25. Februar 2009)

PS: Wenn Sie jedoch gar nicht selbst schreiben wollen, dann fragen Sie doch einfach die hier.

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Warnhinweise selbstgemacht

Wenn schon der Gebrauch von Warnhinweisen inflationäre Ausmaße erreicht und die Warnhinweise selbst immer abstruser werden (siehe »Vorsicht! Heiße Getränke sind heiß!«), dann sollte man das beste draus machen (nämlich sich einen Spaß) und anfangen, selbst welche zu gestalten.

Dem Internet sei Dank gibt es auch dafür schon wieder ein praktisches Tool: den Warning Label Generator.

Ein erster Versuch:

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Vorsicht! Heiße Getränke sind heiß!

Dass in den USA das Verklagen eine Art Volkssport ist, ist seit langem bekannt. Schon vor Jahren rief deshalb der US-Journalist Randy Cassingham die »Stella Awards« ins Leben, Auszeichnungen für die absurdesten Gerichtsfälle. Benannt ist der Preis nach Stella Liebeck, die 1992 mit einem Becher Kaffee in ihr Auto stieg, im parkenden Auto den Kaffee verschüttete und sich die Beine verbrühte. Sie verklagte daraufhin McDonald’s und erstritt 640.000 $ Schadenersatz.

So weit, so komisch. Leider haben derart absurde – und in den USA dennoch erfolgreiche – Klagen zum Teil gravierende Auswirkungen auf Gebrauchsanweisungen und Bedienungsanleitungen aller Art, genauer, auf den Teil, den man gemeinhin als »Sicherheitshinweise« bezeichnet. In den USA ist der Gebrauch dieser Hinweise mittlerweile inflationär. Aber auch hierzulande fühlen sich Hersteller zunehmend erst dann sicher, wenn sie vor jedem möglichen (nicht wahrscheinlichen) Fehlgebrauch und jeder möglichen »Gefahr« ausdrücklich warnen. Diese Anpassung an amerikanische Verhältnisse beschert uns Bedienungsanleitungen, die zwar nur mit 12 Seiten sinnvollem Inhalt glänzen, diesen mageren Informationen jedoch 84 Seiten Warnhinweise in 26 Sprachen voranstellen. Warum? Ganz einfach, man ist schließlich »international aufgestellt« und das Produkt soll auch die Menschen in den Staaten beglücken. Einerseits. Andererseits hat man einen Riesenschiss vor den Möglichketen des amerikanischen Rechtssystems und verliert jeden Blick für die Verhältnismäßigkeit.

Um bei dem Beispiel mit Frau Liebeck zu bleiben: Wer glaubt eigentlich, dass Menschen, die nicht wissen, dass frischer Kaffee heiß ist, lesen können? Und verstehen, was sie lesen? Sind diese Menschen wirklich zu retten mit Hinweisen wie den folgenden (wirklich existierenden)?

Objekte im Spiegel befinden sich hinter Ihnen. (auf einem Motorradspiegel)

Dieses Produkt enthält Nüsse. (auf einer Packung Erdnüsse)

Niemals Kleidung am Körper bügeln! (auf einem Bügeleisen)

Nicht in die Hose stecken! (auf einer Armbanduhr)

Nicht verschlucken! (auf einer Matratze)

Nicht oral verwenden! (auf einer Toilettenbürste)

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