Frau Merkel und die Badewanne

Frau Merkel, die Bundeskanzlerin, spricht immer häufiger in Bildern. Dann werden ihre Gedanken wunderbar anschaulich. In ihrer Rede anlässlich der Veranstaltung »Erfolg made in Germany – die soziale Marktwirtschaft« hat sie in ganz einfachen Bildern den möglichen Verlauf der aktuellen Krise beschrieben: »ein V-förmiger Verlauf wäre das Schönste: schnell runter, schnell hoch«. Die Auswirkung der Krise entscheide sich jedoch »entlang eines U-förmigen Verlaufs, sozusagen an einer Badewanne«, sprach sie und ergänzte: »ob es nun eine Sitzbadewanne, eine Streckbadewanne oder eine Kinderbadewanne sein mag«.

Vs, Us und Badewannen – für eine Politikerin nicht schlecht. Wenn Frau Merkel so anschaulich weitermacht, kann sie bald bei uns anfangen (siehe auch »Bundeskanzlerin Merkel fordert bessere Gebrauchsanleitungen«). Vielleicht erstmal mit einem Praktikum.

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Innovationen durch Medien bekannt machen

Etwas zu erfinden, damit ist es meist nicht getan. Schließlich will man in der Regel von einer Erfindung profitieren. Dazu braucht es Käufer oder Kunden. Es gilt also, potentielle Kunden wissen zu lassen, dass es eine (neue) Lösung für ihr Problem gibt. Pressearbeit kann hier wertvolle Unterstützung leisten.

Leider wird das Thema Pressearbeit von vielen Verantwortlichen in technischen Branchen immer noch nicht richtig eingeschätzt. Die Wirkung wird vielfach unterschätzt. Gerade bei technischen Innovationen vertraut man darauf, dass die Genialität der Erfindung schon ausreicht, um ein Produkt erfolgreich zu machen – quasi Vermarktung durch pure Anwesenheit. So einfach ist es leider nicht.

Zehn Tipps, um Erfindungen durch Medien bekannt zu machen, gibt Dirk Loop im ERFINDERexpress, 01/2009 auf Seite 11 (PDF-Datei).

PS: Wenn Sie jemanden suchen, der sich mit Pressearbeit auskennt: hier.

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Der Dokumentationsverantwortliche

Die ehrwürdige EU-Maschinenrichtlinie, deren erste Fassung aus dem Jahr 1998 stammt, tritt in ihrer neuesten Version mit der Nummer 2006/42 am 29. Dezember 2009 ohne Übergangsfrist in Kraft. Verwirrung durch die Neufassung der Richtlinie entsteht unter anderem durch den neu eingeführten Begriff des »Dokumentationsverantwortlichen«.

Genau genommen wird dieser Begriff gar nicht eingeführt, er taucht in der Richtlinie überhaupt nicht auf. Der Begriff des »Dokumentationsverantwortlichen« ist schon eine Interpretation, die sich allerdings schnell ausbreitet und zu allerlei Vermutung und Verwirrung führt.

Neu ist gegenüber der alten Maschinenrichtlinie 98/37, dass der Hersteller bzw. der Bevollmächtigte eine Person benennen muss, die von ihm bevollmächtigt ist, die technischen Unterlagen zusammenzustellen. Wörtlich heißt es in Anhang II unter 1. A. 2. der Richtlinie 2006/42: »Name und Anschrift der Person, die bevollmächtigt ist, die technischen Unterlagen zusammenzustellen; diese Person muss in der Gemeinschaft ansässig sein«. Nicht mehr und nicht weniger.

In Artikeln und Berichten zum Thema liest man inzwischen schon stark dramatisierte Versionen dieser einfachen Anforderung. Manche Autoren machen aus »Person« ohne Umschweife »konkrete natürliche Personen«, andere erfinden Funktionsbezeichnungen wie »Dokumentations-verantwortlicher« oder »Dokumentationsbevollmächtigter«. Das führt soweit, dass mittlerweile Gerüchte umgehen, der auf diese Weise verantwortlich gemachte Mensch sei auch für die Inhalte der Technischen Dokumentation verantwortlich.

Davon kann dem Wortlaut nach keine Rede sein. Es ist noch nicht einmal klar, ob mit Person tatsächlich eine natürliche Person gemeint ist oder ob nicht auch eine juristische Person als Ansprechpartner ausreicht.

In der Sache geht es doch nur um Folgendes: Wenn die Marktüberwachungsbehörde prüfen will, ob und inwieweit die Konformitätsbewertung durchgeführt wurde, muss sie entsprechende Unterlagen beim Hersteller anfordern. Das ist bei Unternehmen mit Sitz in Europa meist kein Problem und mit wenig Aufwand zu bewerkstelligen. Komplizierter kann es schon bei Herstellern mit Sitz außerhalb der EU werden. Um diesen Aufwand in Grenzen zu halten, ist ein Hersteller darum verpflichtet, in der EG-Konformitätserklärung einen Ansprechpartner zu benennen, an den sich die Behörde wenden kann. Diesem kommt dann die reine Verwaltungsaufgabe zu, die entsprechenden Unterlagen nach Anhang VII zusammenzustellen. Eigentlich ganz einfach.

PS: Dieser Artikel stellt keine Rechtsberatung dar. Beratung zu diesem und anderen Themen bietet die tekom, der deutsche Fachverband für Technische Kommunikation.

 

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Wolfram ist nicht Google

WolframAlpha, die Internetwissen-Suchmaschine des Physikers und Computerwissenschaftlers Stephen Wolfram hat in den Medien einen gewaltigen Hype ausgelöst. Wolfram selbst bezeichnet seinen Dienst, an dem etwa 200 Personen mitarbeiten, als »Computational Knowledge Engine«, übersetzt etwa »Maschine zur Berechnung menschlichen Wissens«.

Es geht bei WolframAlpha also nicht darum, auf die Schnelle alles auszuspucken, was im Internet zu einem bestimmen Suchbegriff gespeichert ist, sondern Wissen und Fakten zueinander in Beziehung zu setzen. Alpha soll Fragen beantworten und berechnet dazu selbst neue Daten und Fakten. Es klingt nach Science-Fiction, so als wären wir endlich soweit, wie Captain Kirk (oder vielleicht besser Janeway) zu rufen: »Computer! Wie lange dauert es bis zum nächsten Planeten mit Diliziumvorräten, wenn wir das Asteroidenfeld auf direktem Weg durchqueren?« Und tatsächlich ist dies Wolframs Idee. Daher ist seine Faktensuche im Internet nicht automatisiert, sondern basiert auf manuellen Prüfungen und Bewertungen seiner 200 Mitarbeiter. Es geht ihm um Fakten, Daten und Zahlen. Meinungen, Tipps und Vorlieben interessieren nicht.

Bei dieser klaren Ausrichtung auf Daten und Fakten ist die Nutzung von Alpha logischerweise entsprechend eingeschränkt. Wenn keine Ausgangsdaten vorliegen, gibt es keine Antwort: »WolframAlpha isn’t sure what to do with your input.« Sicherheitshalber stellt Alpha auf der Startseite ein paar Beispielanfragen zur Verfügung, um zu zeigen, worum es geht und was geht:

»x+y=10, x-y=4«

»population Brussels/Paris«

»Julia set c=-0.38+0.62i«

Das sieht alles sehr mathematisch aus – und ist es auch.

Einige Experimente hat ZEIT-Redakteur Christoph Drösser gemacht, von deren lustigen Ergebnissen er in einem Artikel berichtet. So antwortet Alpha auf die Frage »Who invented Google?« angeblich mit »WolframAlpha does not yet support Polish.« Nun ja, nachvollziehbar ist das nicht. Gibt man zum Beispiel nur »Google« ein, erhält man eine ganze Reihe von Fakten, allerdings ausschließlich Finanzfakten.

Ob die Daten und Fakten, die Alpha generiert, korrekt sind oder nicht, ist wiederum ein ganz andere Frage. Denn die Basis stammt nach wie vor aus dem Internet und dort hält längst nicht alles einer Überprüfung stand (siehe auch »Wahrheit und Lüge im Internet«).

Klar ist: WolframAlpha ist keine Google-Konkurrenz und schon gar kein Google-Killer. Ob es überhaupt möglich sein wird, das Wissen der Welt mit dieser Methode der manuellen Selektion und mathematischen Verknüpfungin den Griff zu bekommen? Man wird sehen. In jedem Fall ist es ein hochinteressanter Ansatz und mit etwas Übung bekommt man wirklich erhellende Antworten von Alpha. Wir freuen uns schon auf den Tag, an dem Alpha zum ersten Mal spricht. In der Zwischenzeit gibt’s ein Interview mit Stephen Wolfram zu lesen, hier auf ZEIT-ONLINE.

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US-Patent 6865843: Elektrische Mausefalle

Das nennen wir eine gelungene Funktionsbeschreibung:

Der Autor Daniel Wright ist bekannt für seine skurrilen Ideen und Erfindungen. Sein Blog PatentlySilly.com, sein Bühnenprogramm und seine Bücher sind ein Spaß für alle, die sich für Technik begeistern können, dabei aber nicht alles bierernst nehmen müssen.

Vielleicht ist dies ein gutes Beispiel dafür, dass Produktpräsentationen nicht immer von der hohen Kanzel des Ingenieurstolzes kommen müssen, um zu überzeugen. Unterhaltung ist oft der leichtere und schnellere Weg ins Hirn des Kunden – selbst wenn es um Investitionsgüter geht. Ist das Interesse erst einmal geweckt (bzw. der Interessent), dann kann man immer noch dröge Zahlen liefern. Mal drüber nachdenken?

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