Infografik 2

Was eine Infografik ist, wurde hier schon gestern mit knappen Worten erklärt. Immer wieder begeisternd sind die Infografiken in spanischen Tageszeitungen, vor allem in »El Pais«. Sie erzählen ganze Geschichten und machen Zusammenhänge und Abläufe auf beeindruckende Weise verständlich. In dieser Konsequenz und Qualität sieht man Infografiken in deutschen Medien leider nur selten.

Interessante Arbeiten von Journalismus-Studenten der »Universidad CEU Cardenal Herrera« findet man hier und hier.

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Infografik mal anders

Infografiken sind Bilder, die zur anschaulichen Darstellung von Fakten, Zahlen, Daten oder Zusammenhängen dienen. Sie werden hauptsächlich im Journalismus eingesetzt, aber auch in Technischen Unterlagen, Broschüren und Produktbeschreibungen.

Infografiken illustrieren beispielsweise Zahlenreihen, Größenverhältnisse, Ortslagen, Organisationen, Entscheidungsabläufe, technische, biologische oder chemische Funktionsweisen, Anordnungen von Teilen oder auch Abläufe von Geschehnissen. Die häufigsten Elemente sind Diagramme, geografische Karten und Pläne oder schematische Darstellungen wie etwa Explosionszeichnungen.

Eine ganz besondere Art von Infografik hat Jessica Hagy gefunden und veröffentlicht die Ergebnisse täglich (»weekday mornings as the coffee brews«) in ihrem Blog Indexed. Dabei setzt sie alle möglichen Tätigkeiten oder Ereignisse zueinander in Beziehung. Ein Spaß, der dennoch an der einen oder anderen Stelle zum Nachdenken anregt.

Ein Beispiel:

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Zerbrochene Fenster und Kaufzwänge

Die Broken-Window-Theorie bezeichnet ein in den USA entwickeltes Konzept, das beschreibt, wie ein vergleichsweise harmloses Phänomen, etwa ein zerbrochenes Fenster in einem leerstehenden Haus, in der Folge zu Verwahrlosung und Kriminalität führen kann. Einem Aufsatz von James Q. Wilson und George L. Kelling zufolge sind Unordnung und Kriminalität ursächlich miteinander verknüpft. Ein zerbrochenes Fenster in einem Gebäude, das nicht repariert wird, zieht innerhalb kurzer Zeit die Zerstörung weiterer Fenster nach sich. Folge solch sorglosen Verhaltens sei nicht nur die vergleichsweise harmlose Zerstörung von Fensterscheiben, sondern im Ergebnis der Einzug von Schwerkriminalität.

Der Diderot-Effekt ist ein Begriff aus der Konsumforschung. Er beschreibt, wie Menschen, nachdem sie einen Gegenstand gekauft haben, in den Zwang geraten, weitere Käufe zu tätigen, um ein passendes Gesamtbild zu schaffen. Jemand kauft zum Beispiel einen neuen Sessel, der farblich nicht zur sonstigen Wohnungseinrichtung passt. Dadurch gerät er in den Zwang, auch die vorhandene Einrichtung nach und nach zu ersetzen, um wieder ein harmonisches Gesamtbild zu erreichen. Die Bezeichnung geht auf den Dichter Denis Diderot zurück. Jemand hatte ihm einen neuen, prächtigen Morgenmantel geschenkt, worauf er sich von dem alten trennte. In einem Aufsatz schrieb er darauf: »Mein alter Hausrock und der ganze Plunder, mit dem ich mich eingerichtet hatte – wie gut passte eins zum anderen! [...]«.

In beiden Beispielen geht es um die offenkundige Neigung des Menschen, ein vereinzeltes Phänomen so stark wahrzunehmen und zu bewerten, dass es zum Handeln anregt, negativ wie positiv. Gerade wegen seiner Einzigartigkeit besitzt ein Einzelphänomen also offenbar die Kraft, eine Masse an anders lautenden Informationen zu überdecken.

Viele Produkthersteller und Vermarkter wissen das. Sie versuchen entsprechend, einen Einzelaspekt (zum Beispiel die Verpackung) so wertvoll zu gestalten, dass ein Kunde daraus den hohen Wet des Gesamtproduktes schlussfolgern muss. Das wäre der positive Ansatz. Der negative begegnet uns leider ebenso häufig. Schlechte Pressemeldungen, lieblose Informationen und vermurkste Gebrauchsanleitungen führen zwangsläufig zu Gedanken wie: »Wenn die alles so machen, …«

Darum suchen wir nur Kunden mit hervorragenden Produkten und unterwerfen uns ganz dem Diderot-Effekt. Hervorragende Produkte verlangen nach hervorragenden Beschreibungen. Und eben umgekehrt :-)

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Mit Multitasking den Verstand verlieren?

»Wir werden mit dem gleichen Gehirn geboren wie die Steinzeitmenschen vor 40.000 Jahren. Ungleich höher als damals ist jedoch die Menge und Komplexität der Informationen, die auf uns einströmen. Wer in einem Büro arbeitet, ist im Schnitt jede dritte Minute einer Unterbrechung ausgesetzt; auf dem Bildschirm eines Computers sind durchschnittlich acht Fenster gleichzeitig geöffnet. Kein Wunder also, wenn wir zuweilen das Gefühl haben, dass unser Fassungsvermögen nicht wirklich ausreicht.« Soweit ein Zitat aus dem Klappentext des bei Beck erschienenen Sachbuchs »Multitasking« des Autors Torkel Klingberg.

Professor Klingberg ist weltweit angesehener Neurowissenschaftler am renommierten Karolinska-Institut in Stockholm und beschäftigt sich mit den neurologischen Mechanismen des Konzentrationsvermögens und des Arbeitsgedächtnisses.

Der Untertitel der deutschen Übersetzung »Wie man die Informationsflut bewältigt ohne den Verstand zu verlieren« trifft den Ton des Buchs besser als das schwedische Original »Den översvämmade hjärnan«. Der Autor will beruhigen und schreibt entsprechend entspannt. Mühelos lesbar und unterhaltsam sind seine Berichte aus der Forschung; die Studien sind mit Anekdoten aus dem Alltag erfrischend angereichert. Das Buch ist kein Ratgeber, auch wenn es den Eindruck erweckt. Professor Klingberg begegnet dem Problem der Überlastung durch Informationsüberfluss mit der ur-amerikanischen Philosophie »Problem erkannt – Gefahr gebannt.« Macht euch keine Sorgen, will er uns beruhigen, das Hirn passt sich an. Nachhelfen kann man mit Übungen zum Gedächtnistraining, die Herr Professor, nebenbei bemerkt, professionell vermarktet. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Immerhin, das Thema trifft den Nerv und die Angst des modernen Menschen. Die Angst, im Ozean der E-Mails und Twitter-Rufe den Kopf nicht mehr über Wasser halten zu können, die Angst, in den Fluten der Information abzusaufen, den Leistungsanforderunen nicht mehr gerecht zu werden, nicht mehr Herr über sein Leben zu sein. Früher oder später fragt sich so mancher, ob er noch alle Latten auf dem Zaun hat. Klingberg mahnt zur Entspannung und empfiehlt ein gewisse Distanziertheit. Wer die Herausforderung sportlich nimmt, sei weniger gestresst und bleibe souverän. Im übrigen nennt auch er die einschlägigen Tipps: Reize vermindern, Arbeitsanweisungen eindeutig formulieren, Grenzen setzen usw. Dann muss man den Nachwuchs – oder sich selbst – auch nicht mit Amphetamin-Substanzen wie Ritalin traktieren.

(Siehe auch: »Multitasking ist eine Illusion«)

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Gebrauchsanleitung schlecht – muss das sein?

Fast alle Konsumgüter werden heutzutage getestet und bewertet, mal von Profis, mal von Anwendern. Die Ergebnisse sind in Zeitungen und Fachzeitschriften zu lesen, inzwischen aber viel wichtiger: auch im Internet. Denn dort, in den verschiedenen Portalen und Foren, werden die Tests und Beurteilungen noch nach Jahren gefunden und gelesen.

Immer wieder liest man von schlecht bewerteten Gebrauchsanleitungen, Handbüchern und Bedienungsanleitungen. Obwohl jeder weiß, dass sich gerade die schlechten Nachrichten verbreiten, ziehen es viele Hersteller offenbar vor, darauf nicht mit einer Verbesserung des Kundenservices (denn nichts anderes sind Bedienungsanleitungen) zu reagieren.

So sind Kommentare wie diese an der Tagesordnung:

»Die Bedienungsanleitung legt Zeugnis davon ab, dass es Ingenieuren tatsächlich an Kommunikationsfähigkeit hapert.« (ZEIT online)

»[...] und die mitgelieferte Bedienungsanleitung lässt viele Fragen offen.« (Macwelt)

»Die Bedienungsanleitung besteht aus einer halben Seite und liest sich wie eine Textaufgabe.« (Tagesspiegel)

»Allerdings liefert viasit ohnehin längst keine gedruckten Bedienungsanleitungen mehr aus.« (Dailynet)

»Die Anleitung war die reinste Offenbarung – in gewisser Weise!« (RP)

»Doch der Blick in die Bedienungsanleitung verdirbt oft die Freude über das neue Gerät: sie ist zu lang, zu kompliziert und für Laien unverständlich.« (lifepr)

»Leider ist, wie so oft mittlerweile bei digitaler Technik, die Bedienungsanleitung dabei nur eine eingeschränkte Hilfe.« (MSN Computer & Technik)

»Bemängelt wurde außerdem, dass einigen Geräten keine vollständige Bedienungsanleitung beilag.« (Stiftung Warentest)

»Es wäre allerdings ganz gut, wenn in der Bedienungsanleitung an der Stelle etwas dazu dringestanden hätte …« (salesBusiness.de)

Den meisten Herstellern ist inzwischen bekannt, dass eine unzureichende Bedienungsanleitung einen Sachmangel darstellt. Dass man mit guten Anleitungen aber richtig punkten kann beim Endkunden, das scheint noch ein Geheimnis zu sein. Dabei ist es so einfach. Eine gut geschriebene Anleitung ist ansprechend und wird gern gelesen. Man lernt das neue Gerät damit schnell und umfassend kennen und ist zufrieden. Zufrieden! Mit dem Kauf, mit dem Gerät und – mit dem Hersteller. Eine alte und immer noch gültige Weisheit lautet: zufriedene Kunden kommen wieder.

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