Werbesprache: Schiffsplankenholz

Schiffs-plang-ken-holz. Einen schönen Rhythmus hat es, das Wort. Und es beeindruckt mit seiner Assoziationskraft. Schiff! Planken! Holz! Alte Werte, Stabilität. Männerromantik.

Aber was ist eigentlich Schiffsplankenholz? Erinnert sich noch jemand an die riesen Schiffsplankenholzwälder in Spanien? Wahrscheinlich nicht, denn die fielen alle dem Bau der »Armada« zum Opfer, als es anno 1588 gegen Francis Drake und die Königin von England ging. Davon hat sich Spanien bis heute nicht erholt. In ganz Spanien ist kein einziger Schiffsplankenbaum mehr zu finden. Leider gab es damals noch keine Digitalkameras, kein Internet und kein Wikipedia. Deshalb wissen wir heute nicht einmal mehr, wie die Schiffsplankenbäume ausgesehen haben.

Gottlob gibt es den berühmten Hersteller sündhaft teuren Schreibgerätes Jean-Pierre Lépine, der in seiner Werkstatt Kappe und Schaft des Füllfederhalters »Winston« aus, so heißt es, ausgemustertem Schiffsplankenholz fertigt. Man stelle sich vor, an den Wochenenden wandert der Herr Lépine über die einsamen Strände der Normandie und hält Ausschau nach Plankenresten, Überbleibseln der furchtbaren Schlachten im Ärmelkanal …

Vielleicht interpretiere ich da etwas zuviel hinein. Wie dem auch sein, Werbesprache kann schon sehr romantisch sein. Und sogar auf harte Männer wirken, die mit einem Füller aus Schiffsplankenholz ihr Herz für gescheiterte Seehelden zeigen können. Ganz dezent naürlich. Piraten weinen nicht.

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Kollege Kafka

Franz Kafka ist den meisten als Schriftsteller und Autor skurriler Geschichten bekannt, vor allem durch Werke wie »Das Urteil«, »Der Prozess« und »Das Schloss«.

In gewisser Weise war Dr. Kafka aber auch Technischer Redakteur. Von 1908 bis 1922 arbeitete er in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen (AUVA) in Prag. Dort war er vor allem in der Technischen Abteilung tätig, wo er Rentenansprüche bei Arbeitsunfällen und Einsprüche von Unternehmen gegen die Gefahrenklasseneinteilung ihrer Betriebe zu bearbeiten hatte. 1910 wurde er zum »Konzipisten« befördert und verfasste Berichte über die verschiedensten Entwicklungen im Bereich des technischen Fortschritts bei Maschinen und mit ihnen zusammenhängenden Versicherungsfragen. Diese Aufgabe verlangte von ihm genaue Kenntnisse der industriellen Produktion und der großbetrieblichen Technik. Auf Kafka lassen sich immerhin einige Vorschläge zu Unfallverhütungsvorschriften zurückführen.

Am stärksten verbreitet ist sein aus dieser Zeit stammender Bericht über die Vorteile von neuen Holzhobelmaschinen mit runden Wellen gegenüber alten Modellen mit Vierkantwellen. Dieser Bericht besticht besonders durch seine »deutlichen« Illustrationen.

Detailliert werden die Vorteile von runden Wellen beschrieben und den Nachteilen von Vierkantwellen gegenübergestellt. Aus heutiger Sicht ziemlich langatmig geschrieben, aber damals schon erheblich verständlicher als der sonst gebräuchliche Amtsstil. »Das Wichtigste jedoch in schutztechnischer Hinsicht ist, dass die Messer gerade nur mit ihrer Schneide vorragen und dass diese Messer, da sie mit der Welle förmlich verwachsen sind, ganz dünn sein dürfen, ohne die Gefahr eines Bruches. Durch die angeführten Vorrichtungen ist einerseits die überwiegende Möglichkeit beseitigt, mit den Fingern in die Spalte der Vierkantwelle zu geraten, andererseits aber ist selbst für den Fall, dass die Finger in die Spalte kommen, bewirkt, dass nur ganz unbedeutende Verletzungen sich ereignen können, Risswunden, die nicht einmal Unterbrechungen der Arbeit zur Folge haben.«

Als Funktionsbeschreibung gar nicht übel. Kein Geschwätz, keine Übertreibungen, keine inhaltsleeren Phrasen. Nicht wenige Hersteller könnten sich davon heute noch eine Scheibe für ihre Verkaufsunterlagen abschneiden.

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CE-Kennzeichnung auf Chinesisch?

Technischen Redakteuren und anderen Spezialisten für Technische Dokumentation ist sie meist klar, Verbrauchern in der Regel nicht: die Bedeutung des CE-Kennzeichens.

Kurz und gut: Durch die Anbringung der CE-Kennzeichnung bestätigt ein Hersteller, dass das Produkt den geltenden europäischen Richtlinien entspricht. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine CE-Kennzeichnung lässt keinerlei Rückschlüsse zu, ob das Produkt durch unabhängige Stellen auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft wurde. Wenn zusätzlich zum »CE« eine vierstellige Zahl zu sehen ist, weist dies auf die Einbindung einer sogenannten »Benannten Stelle« in das Konformitätsbewertungsverfahren hin.

Die CE-Kennzeichnung ist kein Gütesiegel oder Qualitätszeichen. Dennoch wird sie von vielen Verbrauchern so gesehen. Da vor allem bei Geräten der Unterhaltungselektronik von außen nicht mehr zu erkennen ist, welche Qualität in ihnen steckt, vertrauen Verbraucher zunehmend auf Prüfsiegel und Kennzeichnungen. Das gute alte »Made in Germany« ist kaum noch anzutreffen, und so treten GS-Zeichen, Bio-Siegel und CE-Kennzeichnung an dessen Stelle.

Das wissen natürlich auch die fleißigen Plagiateure in Fernost. Und so findet man bei aufmerksamer Betrachtung ein neues CE-Zeichen. Es weicht minimal vom exakt definierten Original ab und bedeutet – ein Lacher, wenn es nicht so traurig wäre – »China Export«.

Hier ist das Original:

Und hier eine Fälschung:

Andererseits: Vielleicht handelt es sich auch nur um einen Scherz, eine Ente. Eine offizielle Anfrage an die Europäische Kommission wurde mit folgendem Wortlaut beantwortet: »The Commission is aware that there exists the misconception attributing CE marking the meaning ‘Chinese export’. The Commission is not aware of the existence of a ‘China export mark’ but considers that the mark the Honourable Member refers to constitute the CE marking as foreseen in the European legislation without, however, respecting the dimensions and proportions prescribed therein.« Hier ist der volle Wortlaut der Antwort von Mr. Verheugen: Answer given by Mr Verheugen on behalf of the Commission.

Tja, nicht alles, was bei Wikipedia zu finden ist, muss wahr sein.

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pdfKorrektor – Korrekturzeichen für Acrobat

Heutzutage werden Dokumente zur Korrektur nahezu ausschließlich in Form von PDF-Dateien ausgetauscht. Korrekturen werden dementsprechend mit den in Acrobat Professional verfügbaren Werkzeugen durchgeführt. Keine optimale Lösung, zumal die einzelnen Seiten dann vollgepappt sind mit lustigen gelben Notizzettelchen, die man entweder mühsam aufklappen muss oder hin- und herschieben, um überhaupt etwas lesen zu können.

Eine bessere Lösung verspricht der pdfKorrektor, ein Acrobat-Plugin vom Satz-Rechen-Zentrum Berlin. Das Plugin bietet dem Benutzer, der eine Version von Acrobat Standard oder Professional besitzt, die Möglichkeit, normkonforme Korrekturzeichen in PDF-Dokumenten zu verwenden.

Nach der Installation stehen die neuen Kommentarfunktionen in einer eigenen Werkzeugpalette zur Verfügung. Die Handhabung ist einfach: Textbereich markieren, Korrekturanweisung eingeben. Der pdfKorrektor übernimmt einige Aufgaben automatisch, was die nachfolgenden Abstimmungsschritte stark vereinfachen kann. Dazu gehören das Aufzählen von gleichartigen Korrekturen pro Zeile oder auch das Platzieren der Korrekturzeichen mit Arbeitsanweisung im Randbereich der Seite. Falls das Dokument nicht über einen ausreichend breiten Rand verfügt, kann man die Anweisungen manuell positionieren.

Der Ausdruck der so korrigierten Dokumente ist mit dem kostenlosen Acrobat Reader möglich.

Siehe auch: »Korrekturen: Richtig nörgeln will gelernt sein«

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Korrekturen: Richtig nörgeln will gelernt sein

Die erste Runde beim Schreiben von Gebrauchsanweisungen, Handbüchern oder ganz allgemein, Texten, endet nie mit dem Endergebnis, sondern immer mit dem Entwurf oder der Korrekturversion. Das ist normal, nichts ist auf Anhieb perfekt. Detailinformationen fehlen, Ausgangsdaten haben sich geändert, Tippfehler haben sich eingeschlichen usw. Es gibt immer Grund zum Nörgeln, zum Verbessern, zum Korrigieren. Aber richtiges Korrigieren will gelernt sein. Ein paar grundsätzliche Regeln genügen schon, um den Prozess effizient zu gestalten.

Sehr hilfreich, damit es keine Missverständnisse gibt, sind die Korrekturzeichen nach DIN 16511. Diese findet man zum Beispiel im Duden Band 1, wo sie durch weitere Empfehlungen ergänzt werden. Zumindest die grundlegenden Zeichen sollte man anwenden: falsche/fehlende Buchstaben oder Wörter, falsche Trennungen, Streichungen, Absatzänderungen, Korrektur rückgängig machen.

Und nun die ganz einfachen Regeln für Korrekturen. Eine Korrektur besteht im Grundsatz aus drei Schritten.

1. Falsches durchstreichen

2. Richtiges möglichst ausformuliert einsetzen

3. Kurze Begründung geben

Das Streichen einer falschen (oder so nicht gewollten) Textstelle, sei es ein Wort, ein Satz oder ein ganzer Absatz, zeigt deutlich, wo die Korrektur gelten soll. Der stattdessen verwendete Ausdruck oder Satz oder die Satzfolge sollten ausformuliert sein, damit keine erneute Nachfrage notwendig ist. Zudem wird der Korrektor dadurch gezwungen, über den Sachverhalt nachzudenken und nicht nur eine geschmackliche Meinung zu äußern. Die Begründung schließlich hilft dem Autor, schlauer und besser zu werden, beispielsweise, wenn es unternehmensinterne Regeln für den Sprachgebrauch gibt oder ein bestimmter Fachjargon bevorzugt wird.

Das klingt ganz leicht, ist tatsächlich aber selten so anzutreffen. In der Technischen Dokumentation werden Korrekturen oft von verschiedenen Abteilungen durchgeführt, in denen keine Fachleute für Literatur sitzen, sondern Fachleute für Technik. Diese sehen schnell, was ihnen nicht gefällt, können es andererseits aber nicht so leicht formulieren. Das führt dann zu Korrekturen, die eigentlich gar keine sind, sondern eher eine Sammlung von Kommentaren, Fragen und niedergeschriebenen spontanen Gedanken: »Das gehört nicht hierher«, »Anders formulieren«, »Muss noch geklärt werden«, »Blödsinn«, »?????«, »Hier fehlen noch zwei Punkte«, »Stimmt das so?«, »Neue Rechtschreibung!« oder »Sagt mir nichts«.

Solche Kommentare sind nicht hilfreich, damit kann man nicht arbeiten, nur raten. Was jeweils fehlt, ist eine klare Anweisung, was zu tun ist. Oder eine klare Aussage, was gewollt ist.

Fazit: mit ein paar Korrekturzeichen und klaren Anweisungen wird jeder Korrekturlauf zum Vergnügen und höchst effizient. Der Autor ist glücklich und das Projekt schneller am Ziel.

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