Noch mehr Bildbearbeitung online

Ein Online-Tool für die Bildbearbeitung, dessen Erscheinungsbild allein schon umwerfend ist und sofort mit Photoshop assoziiert wird, ist Sumo Paint. Das ist glatt einen eigenen Tipp wert und nicht nur eine Ergänzung zum Artikel »Bildbearbeitung online«.

Hier sind zwei Screenshots, die Lust machen, es selbst mal auszuprobieren. Meiner Meinung nach ist Sumo zur Zeit das eleganteste und angenehmste Tool für die Bildbearbeitung unterwegs. Ich freue mich aber auch über andere Vorschläge und Tipps.

Die Website sumopaint.com bietet das Programm in einer Pro-Version auch zum Download an.

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Fehler wiederherstellen nicht möglich?

Liebe Autoren bei IBM. Ach nein, IBM steht ja nur drauf, Ihr seid ja von Lenovo, genau wie mein Lieblings-Klapprechner. Nun, liebe Autoren bei Lenovo, könnt Ihr mir das bitte mal erklären:

Das Programm ist also nur für Systemfehler bestimmt. Der Mensch ist ein Systemfehler, wird von manchen Philosophen behauptet, aber das ist hier wohl nicht gemeint. Euer eigenes Laptop werdet Ihr doch wohl auch nicht als Systemfehler bezeichnen. Für welchen Systemfehler ist denn wohl das Programm bestimmt?

Ich sehe gerade, einen kleinen Hinweis gibt es noch. Die Rede ist von nicht wiederherstellbaren Systemfehlern. Was ist das denn nun wieder? Und wer braucht so was? Einen nicht wiederherstellbaren Systemfehler? Und wenn man ihn nicht wiederherstellen kann, warum ist dann das Wiederherstellungsprogramm für diesen Systemfehler bestimmt? Ich bin verwirrt.

Gut, dass die Entwickler an die kleine Schaltfläche »Hilfe« gedacht haben. Da klick’ ich jetzt mal drauf. Oder lieber nicht? Wenn man in den nächsten Tagen nichts mehr von mir liest, …

PS: Die verständliche Formulierung von Hilfetexten gehört auch zu den Aufgaben von Technischen Redakteuren.

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Von Word zu XML

Die Saperion AG in Berlin entwickelt Software für das Erfassen, Ablegen, Verarbeiten und Aufbereiten von Unternehmensinformationen.

In mehreren Blogbeiträgen beschreibt Karsten Krumrück, Technischer Redakteur bei Saperion, wie in der Dokumentationsabteilung die grundlegende Umstrukturierung des Dokumentationsprozesses vollzogen wurde.

Nach eigenen Angaben war es durchaus ein langer und schwieriger Weg. Im Einzelnen umfasste die Umstrukturierung des Dokumentationsprozesses diese Etappen:
– XML statt Word
– Wiki statt Mail Ping Pong
– Dokumentationsportal statt Handbuchstapel

Im Blogbeitrag »XML statt Word« sind die mehr oder weniger bekannten und üblichen Probleme mit Word beschrieben und der bei Saperion verfolgte Lösungsansatz, von der Auswahl eines geeigneten Editors bis zur Anpassung des Dokumentationsprozesses an XML als Sourceformat.

Auf die Fortsetzung darf man gespannt sein.

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Ohne Worte (oder: kein Geld, kein Wort)

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Paradoxe Phänomene mit Features und Manuals

Das Phänomen des »paradox of the active user« wurde erstmals von John M. Carroll und Mary Beth Rosson beschrieben.

Die Autoren beschrieben damit schon 1987 eine allgemeine Beobachtung in einer Vielzahl von Anwendungsstudien am IBM User Interface Institute:

Anwender lesen keine Handbücher.

Stattdessen fangen Benutzer sofort an, mit einer neuen Software zu arbeiten. Später wurden diese Beobachtung auch bei anderen Produkten gemacht. Auch heute noch entspricht dieses Konzept unseren eigenen Beobachtungen beim Testen von Bedienungsanleitungen.

Was passiert, ist Folgendes. Der Mensch ist beim ersten Kontakt mit einem neuen Produkt hochmotiviert, dieses sofort auszuprobieren. Das ist unabhängig davon, ob er es selbst gekauft hat (also positiv gestimmt ist) oder ob es ihm »vorgesetzt« wurde, etwa durch den Abteilungsleiter, Gesetze oder Vorschriften (eher negativ gestimmt). Neugier ist eine menschliche Eigenschaft, die sich nicht leicht ausschalten lässt. Das Ziel ist es, keine Zeit zu verlieren mit dem vorgeschalteten Lesen von dicken Büchern. Falls es Probleme gibt, kann man das später ja immer noch versuchen. Der Effekt dieses Vorgehens ist in der Regel leider ein dem Ziel Schnelligkeit genau entgegengesetztes Ergebnis. Nach dem schnellen Start verlangsamt sich die Anwendungsgeschwindigkeit extrem, Erfolge sind nur in immer längeren Abständen zu verzeichnen, Raterei und Fehlversuche nehmen zu. Rational betrachtet wäre die bessere Entscheidung, zuerst einmal die Systematik eines neuen Produktes zu lernen und zu verstehen und dann die Details und Möglichkeiten auf der Basis dieses Wissens selbst zu erkunden.

Der Mensch handelt aber nicht rational.

Meist wird eine von anderen Produkten bekannte Systematik übertragen, mit der Folge, dass man vom Ablauf irritiert und von den Ergebnissen enttäuscht ist (»Das hat auf meinen Nokia immer geklappt«, »Bei Apple ist das nie ein Problem gewesen«). Es ist schwer, einen antrainierten Ablauf zu ignorieren und wenn man es schafft, dann bleibt nur: raten. Das führt zu einem anderen Phänomen: dem Paradox der ungenutzten Funktionen. Produkte werden wegen ihrer Funktionen gekauft; die Praxis zeigt aber, dass der größte Teil der Funktionen ungenutzt bleibt – quer durch alle Branchen und Zielgruppen, sei es Software, Unterhaltungselektronik, Maschinen oder Messtechnik.

Der anfangs erwähnte Bericht schließt mit der Forderung an Software-Entwickler, diesem Paradox Rechnung zu tragen und Software so zu gestalten, dass die natürliche Motivation der Anwender berücksichtigt wird.

Aber auch Gebrauchsanleitungen und Handbücher müssen die emotionale Seite des Anwenders viel stärker berücksichtigen als es bisher der Fall ist. Viel zu oft werden Handbücher für einen idealisierten, rational agierenden und interessierten Leser geschrieben. Nur selten macht man sich die Mühe, den Leser zu »werben«, beispielsweise mit einem interessanten Titelbild. Klar gibt es Richtlinien für die Gestaltung von Anleitungen, aber diese schließen nicht aus, ein Handbuch interessant zu gestalten. Was ist mit etwas natürlicherer Sprache? Verständlichkeit muss nicht in staubtrockene Texte münden. Warum nicht das Interessanteste und Spannendste an den Anfang? Wo sind anschauliche Beispiele? Sollte das alles wieder mal am Geld scheitern?

Wann fangen Hersteller an, mit Ihren Bedienungsanleitungen aktiv zu werben statt sie verschämt oder unbrauchbar als Datei nur »mitzuliefern«? Warum nicht mal in einer Produktpräsentation im Internet auf ein Kapitel der Gebrauchsanleitung hinweisen: »Wissen Sie eigentlich, wie Sie ganz schön viel Zeit beim Suchen von Fotos sparen können?«

Es gibt viel zu tun. Wo ist die Gebrauchsanleitung, die zum Lesen verführt?

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