Frauen-Browser nur blöder Marketingtrick

Ein Aufschrei des Entzückens sollte Ende letzten Jahres durch das Internet gellen, so dachte es sich wohl die Schweizer Zeitschrift »annabelle«. Der erste Frauen-Browser ist da!

Frauen-Browser, fragt sich der emanzipierte Mann, was hat der, was meiner nicht hat? Sicher, Frauen sind anspruchsvoller beim Surfen als Männer: sie überlegen mehr vor dem Klicken, lesen konzentrierter, prüfen genauer, bevor sie etwas Neues auf ihren Computer laden. Softsurfer eben. Und für diese Zielgruppe gibt es jetzt einen eigenen Browser, womöglich auch softer, intelligenter und besser als das Männermodell von Microsoft oder Mozilla? Mozilla, das klingt auch schon so abschreckend wie Godzilla. Jetzt also der neue Barbie-Browser.

Erste Erleichterund beim Besuch der Website von annabelle. Es handelt sich offenbar doch nicht um einen Frauen-Browser, sondern nur um einen »speziell auf annabelle-Leserinnen zugeschnittenen Internet Explorer«. Der Glaube an die weibliche Intelligenz kehrt zurück. Zu den Leserinnen von annabelle ist zunächst einmal keine Äußerung erforderlich.

Screenshot Frauen-Browser

Ernüchterung ist das Nächste, dicht gefolgt von Verärgerung. Der Gedanke drängt sich auf, dass die Schweizer annabelle ihre Leserinnen (die Leser nicht) für ziemlich dumm hält. Im Blog von zeix, einer Agentur für Usability, findet sich eine ausführliche und treffende Rezension des als Frauen-Browser angepriesenen Werbetools, dem sich die Leserinnen der annabelle möglichst freiwillig ausliefern sollen. Dort heißt es unter anderem: »Der Kern des Frauen-Browsers (eigentlich der IE8) ist aber schlicht die zielgruppengerechte, vordefinierte Favoritenliste.« Diese überzeugt sofort mit dem Eintrag »Männer!« (mit Ausrufezeichen). Ist klar. Auch die Suche soll auf die Bedürfnisse der »Schweizer Frau« zugeschnitten sein: anstatt bei Google oder anderen einschlägigen Suchmaschinen sucht diese offenbar grundsätzlich in »toppreise.ch«.

Wie schreibt ein Kommentator des Blogeintrags von zeix doch so treffend: »Beim Stichwort «Frauen-Browser» … dachte ich zuerst an ein neuartiges Navigationskonzept, wo man nach Frauen browsen kann«.

Nun gut, ein neues Jahr hat begonnen. Schwamm drüber.

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BAM! Gut geprüft.

BAM! Welch wunderbare Verschmelzung von Akronym[1] und Onomatopoesie[2]. In diesem Fall, besser: an diesem Datum, passt es sogar besonders gut.

BAM!

BAM ist die Bundesanstalt für Materialforschung und Prüfung mit Sitz in Berlin. Die BAM gehört zum Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Sie testet unter anderem Feuerwerkskörper und entscheidet mit der Zulassung darum, ob diese in Deutschland angeboten und verkauft werden dürfen.

Für die Zulassungsprüfung müssen die Hersteller ihre neuen Feuerwerkstypen in 33-facher Ausfertigung spätestens im Sommer an die BAM nach Berlin schicken. 76 Feuerwerkskörper lehnte die BAM in diesem Jahr ab, 33 neue wurden zugelassen. Insgesamt darf man jetzt in Deutschland legal 65 verschiedene Typen verknallen, verschießen oder einfach nur anzünden. Die Regeln und Sicherheitsbestimmungen haben sich seit Oktober verändert, mit einer, für alle Europäischen Länder geltenden Übergangsfrist, die in drei Jahren abläuft. Demnach darf bereits an diesem Silvester erstmals auch in Deutschland Feuerwerk nach europäischer Norm verkauft werden; Waren bisher 200 g Schwarzpulver und Leuchtsterne erlaubt, dürfen es jetzt 500 g sein. Das erklärt die in diesem Jahr besonders häufig angebotenen Feuerwerksbatterien, die für fast dreimal längere Freude am Funkensprühen sorgen.

Fazit: Die mit CE- und BAM- Zeichen zugelassene Feuerwerkskörper sind sicher, solange man zuvor die Bedienungsanleitung in einem möglichst nüchternen Zustand liest – und befolgt.

Wer’s gern mal richtig knallen sehen will, dem sei dieser ZDF-Bericht über die Arbeit der BAM empfohlen: »Materialprüfung auf Sicherheit«. Was geschehen würde, wenn sich nur drei mit Feuerwerkskörpern gefüllte Kartons, beispielsweise in einem Ladengeschäft, entzünden, zeigt dieses Video »Feuerwerk-Trends 2009« am Schluss.

Erikative im Comic

[1] In der Linguistik wird als Akronym eine aus den Anfangsbuchstaben oder -silben einer Wortgruppe oder eines Kompositums gebildete Abkürzung bezeichnet, die selbst wiederum als Wort verwendet wird. Bekannte Beispiele sind NATO, Aids, Azubi, GAU oder asap.

[2] Onomatopoesie, deutsch Lautmalerei, ist die Nachahmung eines Naturlautes oder eines sonstigen außersprachlichen akustischen Phänomens durch die klanglich als ähnlich empfundene Lautgestalt eines sprachlichen Ausdrucks, als Interjektion zum Beispiel »Peng!«, »Kawumm!« oder »knurr«.

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Leitfaden zur Anwendung der EU-Maschinenrichtlinie

Kurz vor Inkrafttreten der neuen Maschinenrichtlinie 2006/42/EG am 29.12.2009 hat die EU-Kommission wesentliche Teile ihres Leitfadens zur Anwendung der Richtlinie in einer ersten Ausgabe veröffentlicht.

Titel Leitfaden Maschinenrichtlinie

Unter dem Titel »Guide to application of the Machinery Directive 2006/42/EG« steht der Leitfaden als kostenloser Download zur Verfügung.

Der mehr als 300 Seiten umfassende Leitfaden, der bisher nur in englischer Sprache vorliegt, enthält Erläuterungen zu verschiedenen Teilen der neuen Maschinenrichtlinie.

Der Leitfaden ist leider weder vollständig noch leicht verständlich. Dennoch: besser als nichts. Und möglicherweise besser als die mehr oder minder guten, jedoch immer teuren, Ratschläge der »Berater«, die derzeit wie Pilze aus dem Boden zu schießen scheinen.

Nachtrag: Inzwischen ist der zweite Teil des Leitfadens veröffentlicht, siehe »2. Teil des Leitfadens zur Maschinenrichtlinie«.

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Technische Dokumentation als Dienstleistung

Screenshot Website Indoition

Da hat er sich ganz schön viel Arbeit gemacht mit seiner Website, der Herr Achteling. Auf www.indoition.com präsentiert der Spezialist für Software-Dokumentation nicht nur die Leistungen seines Unternehmens, sondern eine große Menge praktischer Informationen rund um die Technische Dokumentation. Eigene Texte sowie zahlreiche Links liefern unter der Rubrik »Know-how« Wissenswertes zum Thema Technische Dokumentation allgemein und zu speziellen Themen wie etwa Autorenwerkzeugen für Onlinehilfen oder Screencapture-Software.

Vielleicht besonders interessant ist der Bereich »Entscheidungshilfen«. Hier erhalten Hersteller und Entwickler, die möglicherweise zum ersten Mal mit einem Dienstleister für Technische Dokumentation zusammenarbeiten, unter anderem interessante Tipps zu Kosten, Lieferzeiten und Angeboten. Die Seite »Meilensteine eines typischen Dokumentationsprojekts« beschreibt knapp und anschaulich, wie ein Dokumentationsprojekt in Zusammenarbeit mit einem Dienstleister typischerweise abläuft. Aus Erfahrung wissen auch wir, dass etliche der anfragenden Unternehmen – kleine und größere – zunächst einmal keine klare Vorstellung davon haben, wer wann welche Aufgaben übernimmt, welche Vorinformation benötigt wird oder wann was passiert.

»Vor- und Nachteile des Outsourcings Technischer Dokumentation« ist ein weiteres Thema und trifft damit sicher einen der zentralen Punkte. Hier findet man Kommentare zu typischen Bedenken wie »Outsourcing ist zu teuer«, »Ein Außenstehender kann unsere Produkte niemals so gut in allen Einzelheiten verstehen wie wir selbst« oder »Wenn ich die Dokumentation an einen externen Dienstleister outsource, muss ich viel Aufwand für Projektmanagement und Betreuung investieren«.

Alles in allem eine gelungene Website, die sich nicht damit begnügt, die eigene Dienstleitung ins rechte Licht zu rücken, sondern zeigt, dass jemand durchaus in der Lage ist, die Sichtweise seiner potenziellen Kunden einzunehmen und zu verstehen. Eigentlich eine Grundvoraussetzung für Technische Redakteure, die sich bei ihrer Arbeit stets in die Situation eines anderen, nämlich des Anwenders, versetzen müssen.

In diesem Fall fällt es uns nicht schwer, die Konkurrenz zu loben. Weiter so, Kollegen!

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Rezept für gute Texte

Weil morgen die medica in Düsseldorf startet:

Rezept fuer gute Texte

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