Wolfram ist nicht Google

WolframAlpha, die Internetwissen-Suchmaschine des Physikers und Computerwissenschaftlers Stephen Wolfram hat in den Medien einen gewaltigen Hype ausgelöst. Wolfram selbst bezeichnet seinen Dienst, an dem etwa 200 Personen mitarbeiten, als »Computational Knowledge Engine«, übersetzt etwa »Maschine zur Berechnung menschlichen Wissens«.

Es geht bei WolframAlpha also nicht darum, auf die Schnelle alles auszuspucken, was im Internet zu einem bestimmen Suchbegriff gespeichert ist, sondern Wissen und Fakten zueinander in Beziehung zu setzen. Alpha soll Fragen beantworten und berechnet dazu selbst neue Daten und Fakten. Es klingt nach Science-Fiction, so als wären wir endlich soweit, wie Captain Kirk (oder vielleicht besser Janeway) zu rufen: »Computer! Wie lange dauert es bis zum nächsten Planeten mit Diliziumvorräten, wenn wir das Asteroidenfeld auf direktem Weg durchqueren?« Und tatsächlich ist dies Wolframs Idee. Daher ist seine Faktensuche im Internet nicht automatisiert, sondern basiert auf manuellen Prüfungen und Bewertungen seiner 200 Mitarbeiter. Es geht ihm um Fakten, Daten und Zahlen. Meinungen, Tipps und Vorlieben interessieren nicht.

Bei dieser klaren Ausrichtung auf Daten und Fakten ist die Nutzung von Alpha logischerweise entsprechend eingeschränkt. Wenn keine Ausgangsdaten vorliegen, gibt es keine Antwort: »WolframAlpha isn’t sure what to do with your input.« Sicherheitshalber stellt Alpha auf der Startseite ein paar Beispielanfragen zur Verfügung, um zu zeigen, worum es geht und was geht:

»x+y=10, x-y=4«

»population Brussels/Paris«

»Julia set c=-0.38+0.62i«

Das sieht alles sehr mathematisch aus – und ist es auch.

Einige Experimente hat ZEIT-Redakteur Christoph Drösser gemacht, von deren lustigen Ergebnissen er in einem Artikel berichtet. So antwortet Alpha auf die Frage »Who invented Google?« angeblich mit »WolframAlpha does not yet support Polish.« Nun ja, nachvollziehbar ist das nicht. Gibt man zum Beispiel nur »Google« ein, erhält man eine ganze Reihe von Fakten, allerdings ausschließlich Finanzfakten.

Ob die Daten und Fakten, die Alpha generiert, korrekt sind oder nicht, ist wiederum ein ganz andere Frage. Denn die Basis stammt nach wie vor aus dem Internet und dort hält längst nicht alles einer Überprüfung stand (siehe auch »Wahrheit und Lüge im Internet«).

Klar ist: WolframAlpha ist keine Google-Konkurrenz und schon gar kein Google-Killer. Ob es überhaupt möglich sein wird, das Wissen der Welt mit dieser Methode der manuellen Selektion und mathematischen Verknüpfungin den Griff zu bekommen? Man wird sehen. In jedem Fall ist es ein hochinteressanter Ansatz und mit etwas Übung bekommt man wirklich erhellende Antworten von Alpha. Wir freuen uns schon auf den Tag, an dem Alpha zum ersten Mal spricht. In der Zwischenzeit gibt’s ein Interview mit Stephen Wolfram zu lesen, hier auf ZEIT-ONLINE.

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