Werbesprache: Schiffsplankenholz

Schiffs-plang-ken-holz. Einen schönen Rhythmus hat es, das Wort. Und es beeindruckt mit seiner Assoziationskraft. Schiff! Planken! Holz! Alte Werte, Stabilität. Männerromantik.

Aber was ist eigentlich Schiffsplankenholz? Erinnert sich noch jemand an die riesen Schiffsplankenholzwälder in Spanien? Wahrscheinlich nicht, denn die fielen alle dem Bau der »Armada« zum Opfer, als es anno 1588 gegen Francis Drake und die Königin von England ging. Davon hat sich Spanien bis heute nicht erholt. In ganz Spanien ist kein einziger Schiffsplankenbaum mehr zu finden. Leider gab es damals noch keine Digitalkameras, kein Internet und kein Wikipedia. Deshalb wissen wir heute nicht einmal mehr, wie die Schiffsplankenbäume ausgesehen haben.

Gottlob gibt es den berühmten Hersteller sündhaft teuren Schreibgerätes Jean-Pierre Lépine, der in seiner Werkstatt Kappe und Schaft des Füllfederhalters »Winston« aus, so heißt es, ausgemustertem Schiffsplankenholz fertigt. Man stelle sich vor, an den Wochenenden wandert der Herr Lépine über die einsamen Strände der Normandie und hält Ausschau nach Plankenresten, Überbleibseln der furchtbaren Schlachten im Ärmelkanal …

Vielleicht interpretiere ich da etwas zuviel hinein. Wie dem auch sein, Werbesprache kann schon sehr romantisch sein. Und sogar auf harte Männer wirken, die mit einem Füller aus Schiffsplankenholz ihr Herz für gescheiterte Seehelden zeigen können. Ganz dezent naürlich. Piraten weinen nicht.

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