Sex und Tschaikowski

»Meine Name ist Lena Berkova.« Na, das ist doch wenigstens mal ein höflicher Anfang. Seit der E-Mail-Werbemüll endlich auch in deutscher Sprache produziert wird, macht das Lesen direkt Spaß. Und wie gesagt: höflich und nett ist es geschrieben, da kann man nicht meckern.

Was die Sache aber erst richtig reizvoll macht, das ist diese versteckte Poesie, die durch charmante Fehler im Umgang mit der fremden Sprache eingeschmuggelt wird. Denn in dem von Frau Lena Berkova verfassten Schreiben heißt es weiter »Ich liebe Sex durch die Web-Kammer.« Gut, es muss natürlich heißen »in der Web-Kammer«, aber wer hat nicht von Zeit zu Zeit Probleme mit der richtigen Präposition. Sehen wir es Frau Berkova, die wohl in Russland zu Hause ist, nach. Entscheidend ist doch das Wort »Web-Kammer«. Das klingt wie … Grimm’s Märchen. Hat man nicht sofort Dornröschen vor Augen, den Turm, die Spinn-Stube? Musik erklingt im Ohr: Dornröschen, die berühmte Ballettmusik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski. Moment mal, der war doch auch Russe. Na also, hier schließt sich ein Kreis, wie wunderbar.

So hat doch letztlich alles seine guten Seiten. Frau Berkova hält es mit Dornröschen und ich höre wieder mal Tschaikowski. Danke für die nette E-Mail.

PS: Erzähle jetzt bitte keiner was von Web-Cams und ähnlichem Schmutz.

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