Risikobeurteilung – den Tod immer vor Augen?

Die Risikobeurteilung ist eine der wichtigsten Informationsquellen für das Erstellen von Betriebsanleitungen für Maschinen. Sie beschreibt, welche Risiken erkannt wurden, wie sie minimiert oder ausgeschaltet werden konnten und vor welchen Restrisiken in der Betriebsanleitung gewarnt werden muss. Alles in allem also ein hervorragendes Instrument für die Technische Dokumentation.

Was aber ist genau ein Risiko? Und wie hoch ist es? Im Rahmen der Risikobeurteilung geht es fast immer darum, ein Risiko einzuschätzen. Einschätzen heißt schätzen, also raten. Zuweilen gibt es Statistiken, die man zu Rate ziehen kann, etwa über Arbeitsunfälle oder Versicherungsfälle. Viel häufiger jedoch ist man tatsächlich auf reines Schätzen angewiesen. Abgeschätzt werden muss dabei nicht nur die Häufigkeit des Risikos, sondern auch die Schwere des möglichen Schadens.

Im informativen Anhang A der IEC/EN 62061 ist beispielhaft ein Verfahren zur qualitativen Risikoabschätzung und Festlegung des SILCL dargestellt, das auf der in der EN ISO 14121 vorgestellten Methode basiert und zur Beurteilung die folgenden Risikoparameter verwendet:

  • S Schwere des möglichen Schadens bzw. Verletzung
  • F Häufigkeit und Dauer der Exposition
  • W Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines gefahrbringenden Ereignisses
  • P Möglichkeit der Vermeidung oder Begrenzung des Schadens

Die Methode suggeriert eine gewisse Plausibilität und Sicherheit. Das Grundproblem bleibt jedoch bestehen: die Schätzung. Und leider hat der Mensch mit dem Schätzen so seine Probleme. Meist liegt er daneben.

»Die Angst der Menschen vor den Risiken ist meistens sozial bestimmt«, sagt der Risikoforscher Professor Gerd Gigerenzer. Und weiter: »Wir fürchten das, was die anderen fürchten, nicht das, was uns notwendigerweise umbringt.«

DRadio Wissen, unser Lieblingsradioprogramm, hat zum Thema Risiko einige interessante Beiträge veröffentlicht, die man hier anhören kann:

Gespräch mit dem Risikoforscher Gerd Gigerenzer

Tod durch Keks

Risiko und Informationsfluss

Obwohl es in den Gesprächen und Beiträgen nicht um Technische Dokumentation geht, geben die Informationen spannende Anregungen, wie der Mensch über Risiken und den Umgang damit nachdenkt und wie man zu (Fehl-)Urteilen kommen kann.

Es ist immer gut, die Risiken zu kennen – auch bei der Risikobeurteilung.

 

 

 

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