Post ohne Pakete

Die Deutsche Post – oder DHL oder Deutsche Post DHL oder wie immer das Unternehmen auch heißt – hatte gefühlt ja schon immer ein kleines Problem mit dem Thema Usability. Und in letzter Zeit vermehrt auch eines mit der eigenen Positionierung.

Nur ein Beispiel: Nachdem man geduldig den halben Vormittag in einer Menschenschlange stehend vor dem einzigen geöffneten Paketschalter der Hauptfiliale einer deutschen Großstadt verbracht hat, sich nach vollbrachter Ehrerweisung und Dankbarkeitsbezeugung in Form von penibel ausgefüllten, feinstgegliederten Formularen der erhofften Dienste versichert hat (Antwort des Mannes in Blaugelb:»Weiß ich auch nicht, wie lange das Paket per Express unterwegs ist.«) und sich erschöpft dem Ausgang zuwendet, kommt mit Sicherheit noch die – jetzt plötzlich geht’s – freundliche Frage: »Interessieren Sie sich für … ?«. Je nach Laune und Wochentag folgen dann die Variablen Handyvertrag, Sparkonto, Strom, Versicherung … usw.

Nein!

Klar, bei so viel Durcheinander in der eigenen Produktfamilie kann man schon den Überblick verlieren und schizophrene Züge an den Tag legen. Das führt dann in der Folge zu leichter Verwirrung bei einfach strukturierten Kunden wie mir. Heute wollte ich mal wieder ein Paket verschicken. Besser erstmal auf der Website informieren, bevor es am Schalter wieder Ärger gibt, war der naheliegende Gedanke. Siehe da, es gibt eine alphabetische Übersicht. Und damit ist das Ende der Usability-Fahnenstange auch schon erreicht. Buchstabe P wie Paket … nix Paket.

Was ist denn jetzt los, kann man keine Pakete mehr verschicken? Nach ein bisschen Sucherei dann ein erster Hinweis: »Der Briefdienstleister Deutsche Post ist Teil des globalen Post- und Logistikkonzerns Deutsche Post DHL. Weitere Informationen zum Konzern unter … «. OK, kein Problem, hin zur Website von DHL. Presse, Karriere, Nachhaltigkeit, Investoren – das Stichwort Pakete scheint hier nebensächlich zu sein, zumindest in der Navigation. Die Quicklink-Liste hat noch Foto-Service und Geschichte zu bieten sowie Hauptversammlung und Logistik-Trends. Einen Trend zum Paketdienst scheint es nicht zu geben. Also zurück zur Deutschen Post und nochmal gesucht. Da endlich: eine Preisliste als PDF-Datei zum Download. Man darf gespannt sein.

Tatsächlich, in der Preisliste der Deutschen Post gibt es sie noch, die Pakete, mit den wichtigsten Angaben zu Größen und Gewichten (das Kleingedruckte erfährt man erst am Schalter, da haben die nämlich ein dickes Buch mit Ausnahmen und Sonderregeln).

So viel zu Thema Post, DHL und Usability.

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