Mehr als 1000 Worte

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Dies ist wohl das beliebteste Argument – oder besser gesagt, die beliebteste Floskel – wenn es darum geht, den Einsatz von Symbolen, Piktogrammen und Grafiken »zu verkaufen«.

Im Zusammenhang mit Bedienungsanleitungen, Handlungsanweisungen, Hinweisen oder allgemein Vorschriften geht es dabei vor allem um eines: Sparsamkeit. Nun ist Sparsamkeit beim Gebrauch von Worten sicher ein guter Rat. Besser, etwas gezielt und mit wenigen Worten sagen als mit viel sprachlichem Getöse drumherumreden.

Aber sagt ein Bild tatsächlich mehr als tausend Worte? Nein, tut es nicht. Jedenfalls nicht so, wie es sich einige Piktogramm-Freunde naiv vorstellen. Um diesen Gesichtspunkt gleich abzuschließen: Die Beschreibung eines vielschichtigen Gemäldes wie »Die Nachtwache« von Rembrandt (bzw. von seinen Schülern) ist sicher auch mit tausend Worten nicht annähernd vollständig. Hier stimmt der Satz. Meist wird er jedoch in anderen Zuhammenhängen gebraucht. Womit wir wieder bei der Sparsamkeit wären. Bilder (er)sparen Worte. Wo keine Worte sind, gibt es auch nichts zu übersetzen. Schon wieder gespart. Wo keine Worte sind, können auch Fremdsprachige nichts falsch verstehen – die Globalisierung kann kommen.

So einfach ist es leider nicht. Auch Bilder sind an einen kulturellen Kontext gebunden. Das Lesen von Bildern muss man lernen, Bilder sind nicht selbsterklärend. Und wie bei der Textsprache ist es so: Je größer der Bildschatz, desto einfacher ist es, neue Bilder zu verstehen und mit dem bisherigen Wissen zu verknüpfen. So bereitet uns das Lesen von Sportpiktogrammen bis auf wenige Ausnahmen inzwischen keine Schwierigkeit mehr. Neuere, individuelle Entwürfe allerdings schon. Dazu nur ein Beispiel:

Mehr als 1000 Worte?

Was sollen diese Piktogramme mitteilen? Pommes frites verboten – hier nur Currywurst? Keine leeren Bierflaschen auf den Boden legen? Was erkennt ein Nigerianer, wenn er das linke Bild sieht? Was denkt ein Holländer beim Wort »VOL« auf der Flasche? Und: Hat sich bei der Rheinbahn in Düsseldorf jemand diese Fragen gestellt?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>