Mehr als 1000 Worte 2

Ein Piktogramm, so definiert es der Brockhaus, ist ein eindeutiges und einfaches Bildzeichen, eine allgemein verständlich stilisierte bildliche Darstellung zur Informationsvermittlung. Man beachte dabei die beiden Adjektive »eindeutig« und »einfach«. Beides scheint beim Entwerfen von Piktogrammen problemlos zu erfüllen – einfach ist, was wenig Elemente hat und eindeutig, wenn einem beim Betrachten nur eine Bedeutung einfällt. Viele Entwerfer von Piktogrammen scheinen leider der Meinung zu sein, dass ihre eigene Sicht auf die Dinge der Welt ausreicht, um ihre Entwürfe anhand dieser Kriterien zu überprüfen.

Von der Bedingung der allgemeinen Verständlichkeit mal ganz abgesehen. Die Verständlichkeit von Zeichen, Symbolen, Bildern und Piktogrammen ist überaus eng mit der eigenen Kultur verknüpft, viel enger, als man zunächst erwartet. Dies führt zuweilen zu fast kuriosen Verständlichkeitsproblemen. Microsoft hatte zum Beispiel ein Software-Piktogramm für Arbeitsgruppen eingeführt. Es zeigt 3 Personen mit Hut. Hierzulande wurde das Bildzeichen nicht verstanden, da der Ausdruck »wearing the same hat« für ein Team hier unbekannt ist. Mercedes hatte in Lastwagen als Symbol für die Feststellbremse eine rot-weiß gestreifte Schranke eingeführt. Die Idee war, eine Verbindung zum sicheren Abstellen des Fahrzeugs an geschlossenen Bahnschranken herzustellen. Als die Fahrzeuge nach Afrika exportiert wurden, stiegen die Unfälle auf Grund nicht vor dem Wegrollen gesicherter Fahrzeuge sprunghaft an. Niemand erkannte die Funktion des Hebels – in Afrika gibt es keine beschrankten Bahnübergänge. Als in Japan die ersten Bilder europäischer Maler bekannt wurden, dachte man dort, die Europäer litten alle an einer schrecklichen Krankheit, wegen der dunklen Flecken in den Gesichtern. Die dunklen Flecken sind die für uns ganz natürlichen Schatten. In der japanischen Malerei war die Darstellung von Schatten nicht bekannt.

Und jetzt zur Preisfrage: Was bedeutet dieses Schild?

Baustellenschild

Es ist dreieckig, also soll es wohl eine Warnung sein. So weit klar. Doch vor was wird gewarnt, was transportiert der LKW? Vanillepudding mit Schokoladenguss? Atommüll?

In der Technischen Dokumentation werden Piktogramme gern zur Verstärkung von Sicherheitshinweisen eingesetzt. Auch hier macht sich zuweilen eine »Individualisierung« bemerkbar, die eher kontraproduktiv ist. Der Wunsch, lange erklärende Texte zu sparen, ist verständlich, darf aber nie mit einem Verlust an Verständlichkeit einhergehen.

2 Antworten auf Mehr als 1000 Worte 2

  1. Telekonsum sagt:

    Hallo!

    Auf Spiegel-Online findest Du heute einen super Artikel über die Geschichte der Piktogramme und wie sie in den 70er Jahren für die Olympischen Spiele eingeführt wurden. Sehr lesenswert!

    Niko

  2. Danke für den Tipp – der sicher nicht nur für mich sehr interessant ist. Darum direkt mal mit Link:

    http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/1515/der_sportler_strich_von_muenchen.html

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>