KSK-Beiträge auch für Technische Redakteure

Technische Redakteure sind Künstler? Nun ja, zuweilen ist es durchaus eine »Kunst«, aus wenigen und unklaren Informationen mühsam eine für den Anwender verständliche Bedienungsanleitung zu entwickeln. Wie schon Karl Valentin treffend bemerkte: »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.« So gesehen ist Technische Dokumentation hin und wieder tatsächlich eine Kunst.

Bei der Künstlersozialkasse (KSK), auch Künstlersozialversicherung genannt, haben die Begriffe »Kunst« und »Künstler« jedoch noch eine ganz andere Bedeutung. Künstler sind dort Personen, die Anspruch auf gesetzliche Renten-, Kranken- und soziale Pflegeversicherung nach dem Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) haben. Nach dem KSVG versicherte Personen entrichten einen vergleichsweise geringen Beitrag, der durch die KSK aufgestockt und dann an die zuständigen Träger (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) weitergeleitet wird. Für bildende und darstellende Künstler, die bekanntermaßen eher zu den Geringverdienern gehören, eine gute und sinnvolle Einrichtung.

Eine ganz anderer Aspekt ist die Finanzierung dieses Systems. Die erfolgt nämlich nicht ausschließlich durch die Beiträge, sondern zusätzlich durch die sogenannte Künstlersozialabgabe. Die Künstlersozialabgabe ist von allen zu zahlen, die künstlerische oder publizistische Werke oder Leistungen in Auftrag geben und verwerten. Bemessungsgrundlage der Künstlersozialabgabe sind alle in einem Kalenderjahr an selbständige Künstler und Publizisten gezahlten Entgelte (§ 25 KSVG). Die jeweiligen Abgabesätze werden jährlich neu festgelegt; für das Jahr 2011 beträgt der Abgabesatz 3,9 %.

Und nun schließt sich der Kreis. Im von der KSK erstellten »Künstlerkatalog« findet sich tatsächlich der Technische Redakteur. Auch der Illustrator ist dort aufgelistet und sogar der Lektor. Wenn es um das Anbohren von zusätzlichen Geldquellen geht, scheint die KSK mit ihrer Definition von Kunst nicht zimperlich umzugehen. Um das deutlich zu machen, weist sie darauf auch explizit im Vorwort des ominösen Künstlerkatalogs hin: »Von jeder Abgrenzung nach der Qualität der künstlerischen und publizistischen Tätigkeit ist abgesehen worden [...]«. Man kann sicher mit guten Argumenten gegen diesen nahezu allumfassenden Kunstbegriff streiten, aber im Augenblich ist er Fakt und gesetzliche Grundlage für die Künstlersozialabgabe.

Wer auch immer freie Technische Redakteure (GmbHs als Auftragnehmer sind nicht betroffen von dieser Regelung) beauftragt und bezahlt, muss demzufolge ein zusätzliche Abgabe in Höhe von derzeit 3,9 % des Auftragswertes an die KSK zahlen. Diese Abgabe wird nicht von den »Künstlern« in Rechnung gestellt, sondern muss auf Basis eines Meldeverfahrens von den Auftraggebern selbsttätig ermittelt und abgeführt werden. Für den Fall der Nichtbeachtung dieser gesetzlichen Vorschrift drohen übrigens empfindliche Strafen.

Noch ein Aspekt zum Nachdenken: »Es spielt für die Abgabepflicht keine Rolle, ob der Künstler oder Publizist in der Künstlersozialversicherung versichert ist oder nicht, z. B. weil er im Hauptberuf Beamter oder gesetzlich sozialversicherter Arbeitnehmer ist oder die künstlerische bzw. publizistische Tätigkeit nicht erwerbsmäßig ausübt.«

 

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