Korrekturen: Richtig nörgeln will gelernt sein

Die erste Runde beim Schreiben von Gebrauchsanweisungen, Handbüchern oder ganz allgemein, Texten, endet nie mit dem Endergebnis, sondern immer mit dem Entwurf oder der Korrekturversion. Das ist normal, nichts ist auf Anhieb perfekt. Detailinformationen fehlen, Ausgangsdaten haben sich geändert, Tippfehler haben sich eingeschlichen usw. Es gibt immer Grund zum Nörgeln, zum Verbessern, zum Korrigieren. Aber richtiges Korrigieren will gelernt sein. Ein paar grundsätzliche Regeln genügen schon, um den Prozess effizient zu gestalten.

Sehr hilfreich, damit es keine Missverständnisse gibt, sind die Korrekturzeichen nach DIN 16511. Diese findet man zum Beispiel im Duden Band 1, wo sie durch weitere Empfehlungen ergänzt werden. Zumindest die grundlegenden Zeichen sollte man anwenden: falsche/fehlende Buchstaben oder Wörter, falsche Trennungen, Streichungen, Absatzänderungen, Korrektur rückgängig machen.

Und nun die ganz einfachen Regeln für Korrekturen. Eine Korrektur besteht im Grundsatz aus drei Schritten.

1. Falsches durchstreichen

2. Richtiges möglichst ausformuliert einsetzen

3. Kurze Begründung geben

Das Streichen einer falschen (oder so nicht gewollten) Textstelle, sei es ein Wort, ein Satz oder ein ganzer Absatz, zeigt deutlich, wo die Korrektur gelten soll. Der stattdessen verwendete Ausdruck oder Satz oder die Satzfolge sollten ausformuliert sein, damit keine erneute Nachfrage notwendig ist. Zudem wird der Korrektor dadurch gezwungen, über den Sachverhalt nachzudenken und nicht nur eine geschmackliche Meinung zu äußern. Die Begründung schließlich hilft dem Autor, schlauer und besser zu werden, beispielsweise, wenn es unternehmensinterne Regeln für den Sprachgebrauch gibt oder ein bestimmter Fachjargon bevorzugt wird.

Das klingt ganz leicht, ist tatsächlich aber selten so anzutreffen. In der Technischen Dokumentation werden Korrekturen oft von verschiedenen Abteilungen durchgeführt, in denen keine Fachleute für Literatur sitzen, sondern Fachleute für Technik. Diese sehen schnell, was ihnen nicht gefällt, können es andererseits aber nicht so leicht formulieren. Das führt dann zu Korrekturen, die eigentlich gar keine sind, sondern eher eine Sammlung von Kommentaren, Fragen und niedergeschriebenen spontanen Gedanken: »Das gehört nicht hierher«, »Anders formulieren«, »Muss noch geklärt werden«, »Blödsinn«, »?????«, »Hier fehlen noch zwei Punkte«, »Stimmt das so?«, »Neue Rechtschreibung!« oder »Sagt mir nichts«.

Solche Kommentare sind nicht hilfreich, damit kann man nicht arbeiten, nur raten. Was jeweils fehlt, ist eine klare Anweisung, was zu tun ist. Oder eine klare Aussage, was gewollt ist.

Fazit: mit ein paar Korrekturzeichen und klaren Anweisungen wird jeder Korrekturlauf zum Vergnügen und höchst effizient. Der Autor ist glücklich und das Projekt schneller am Ziel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>