Kollege Kafka

Franz Kafka ist den meisten als Schriftsteller und Autor skurriler Geschichten bekannt, vor allem durch Werke wie »Das Urteil«, »Der Prozess« und »Das Schloss«.

In gewisser Weise war Dr. Kafka aber auch Technischer Redakteur. Von 1908 bis 1922 arbeitete er in der Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen (AUVA) in Prag. Dort war er vor allem in der Technischen Abteilung tätig, wo er Rentenansprüche bei Arbeitsunfällen und Einsprüche von Unternehmen gegen die Gefahrenklasseneinteilung ihrer Betriebe zu bearbeiten hatte. 1910 wurde er zum »Konzipisten« befördert und verfasste Berichte über die verschiedensten Entwicklungen im Bereich des technischen Fortschritts bei Maschinen und mit ihnen zusammenhängenden Versicherungsfragen. Diese Aufgabe verlangte von ihm genaue Kenntnisse der industriellen Produktion und der großbetrieblichen Technik. Auf Kafka lassen sich immerhin einige Vorschläge zu Unfallverhütungsvorschriften zurückführen.

Am stärksten verbreitet ist sein aus dieser Zeit stammender Bericht über die Vorteile von neuen Holzhobelmaschinen mit runden Wellen gegenüber alten Modellen mit Vierkantwellen. Dieser Bericht besticht besonders durch seine »deutlichen« Illustrationen.

Detailliert werden die Vorteile von runden Wellen beschrieben und den Nachteilen von Vierkantwellen gegenübergestellt. Aus heutiger Sicht ziemlich langatmig geschrieben, aber damals schon erheblich verständlicher als der sonst gebräuchliche Amtsstil. »Das Wichtigste jedoch in schutztechnischer Hinsicht ist, dass die Messer gerade nur mit ihrer Schneide vorragen und dass diese Messer, da sie mit der Welle förmlich verwachsen sind, ganz dünn sein dürfen, ohne die Gefahr eines Bruches. Durch die angeführten Vorrichtungen ist einerseits die überwiegende Möglichkeit beseitigt, mit den Fingern in die Spalte der Vierkantwelle zu geraten, andererseits aber ist selbst für den Fall, dass die Finger in die Spalte kommen, bewirkt, dass nur ganz unbedeutende Verletzungen sich ereignen können, Risswunden, die nicht einmal Unterbrechungen der Arbeit zur Folge haben.«

Als Funktionsbeschreibung gar nicht übel. Kein Geschwätz, keine Übertreibungen, keine inhaltsleeren Phrasen. Nicht wenige Hersteller könnten sich davon heute noch eine Scheibe für ihre Verkaufsunterlagen abschneiden.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>