Aus Fehlschlägen lernen – Floppologie

Erinnert sich noch jemand an Growian?

Foto GROWIAN

Growian war der Kosename für einen der bekannteren Flops in der Geschichte deutscher Technikinnovationen: Große Windkraftanlage. Erdacht wurde das stromerzeugende Riesenwindrad in den 1980er Jahren. Ein Prototyp stand an der Nordseeküste bei Marne. Growian war lange Zeit die größte Windkraftanlage der Welt. Die Probleme mit Werkstoffen und Konstruktion machten einen dauerhaften Betrieb unmöglich. Die meiste Zeit zwischen dem ersten Probelauf 1983 bis zum Betriebsende 1987 stand die Anlage still. Schließlich wurde das zweiflüglige Windrad demontiert.

Ein eher kleiner Innovationsflop. Aber erinnert diese Geschichte nicht irgendwie an den aktuellen Stand des Projektes »Transrapid«? Man könnte den Eindruck haben, es geht immer wieder von vorn los. Klar ist, dass die meisten Innovationsideen scheitern. Kein Problem, es gibt noch genug. Problematisch – und sehr teuer – wird es, wenn das Scheitern bereits sichtbar ist, aber keiner der Beteiligten, auch nicht die Geldgeber, den Absprung schafft. Immer neues Geld und immer neue Kraft wird in Projekte gesteckt, die ihr Ziel nie erreichen. So etwas geht im großen Rahmen natürlich nur mit staatlicher Unterstützung, sprich Steuergeldern. Aber auch in kleineren Technikunternehmen beobachtet man immer wieder den Effekt, dass Projekte, die keinerlei Erfolge aufweisen können, bis zum bitteren Ende durchgezogen werden. Oft gelingt dies nur dadurch, dass bestimmte Kosten geschickt »herausgerechnet« werden und der Rest einem zu erwartenen »Riesenerfolg« gegenübergestellt wird. Oft sind es »Spielzeuge« einzelner, tonangebender Personen im Unternehmen, die sich fürs Ego zum Beispiel einen Bugatti Veyron 16.4 »gönnen«.

Um Entwicklungfehler zu vermeiden, die immer und immer wieder gemacht werden, wurde schon vor etlichen Jahren der Ruf nach einer Fehlerwissenschaft laut: der Floppologie (unter anderem hier). Am besten zusammen mit einem Museum der technischen Fehlschläge, der so genannten »failed innovations«. Der Rundgang durch ein solches Museum könnte manchem Produktmanager dabei helfen, Neuentwicklungen besser zu planen und zu beobachten. Und vielleicht werden eines Tages auch die erwarteten Entwicklungskosten nicht mehr voller Optimismus oder Hoffnung »geschönt«, sondern auf Basis tatsächlicher, umfassender Daten ermittelt. Dann kann es nämlich auch nicht mehr passieren, dass solche Kleinigkeiten wie die Technische Dokumentation als Teil der Produktentwicklung einfach »vergessen« werden.

Immerhin, etwas hat man zumindest von Growian gelernt. Nämlich, dass der Ansatz, über einzelne Großanlagen mit konventionellen Kraftwerken konkurrieren zu wollen, zum Scheitern verurteilt ist. Seither werden kleine und mittlere Anlagen oder so genannte Windparks errichtet, durchaus mit Erfolg.

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